Jahrzehntelang stand Fernverkehr in Deutschland für eines: die Deutsche Bahn. Diese Ära könnte nun zu Ende gehen. Am 17. Juli 2026 fällte die Bundesnetzagentur, die Regulierungsbehörde für das Schienennetz, ihre endgültige Entscheidung in einem Verfahren, das vom italienischen Betreiber Italo angestrengt worden war. Sie urteilte, dass Italo in den deutschen Fernverkehrsmarkt eintreten darf und die Deutsche Bahn im Gegenzug Streckenkapazitäten auf ihren meistbefahrenen Strecken abgeben muss. Die Klage von Italo ist der erste ernsthafte Versuch eines ausländischen Hochgeschwindigkeitsbetreibers, direkt mit dem ICE-Netz zu konkurrieren, und könnte das Reisen zwischen deutschen Städten grundlegend verändern.
Die Deutsche Bahn betreibt derzeit rund 95 Prozent aller Fernverkehrszüge in Deutschland. Regulierungsbehörden und viele unzufriedene Fahrgäste hoffen, dass echter Wettbewerb der deutschen Bahn das Gleiche bringen wird wie einst Italien und Spanien: bessere Servicequalität und niedrigere Preise.
Was die Bundesnetzagentur entschieden hat
Kern der Regelung ist eine neue Wettbewerbsklausel für stark frequentierte Streckenabschnitte. Auf stark frequentierten Abschnitten mit formalen Kapazitätsgrenzen darf die Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO künftig nur noch 60 bis 75 Prozent der verfügbaren Fernverkehrskapazität an einen einzelnen Betreiber vergeben. Dies begrenzt in der Praxis die Kapazität des Fernverkehrsbereichs der Deutschen Bahn und reserviert mindestens ein Viertel der Kapazitäten für Wettbewerber. Die Regelung tritt mit der Erstellung des Netzfahrplans 2028 in Kraft, die im nächsten Jahr beginnt.
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, erklärte, mehr Wettbewerb berge das Potenzial, bessere Angebote für Fahrgäste zu schaffen. Laut t-online muss DB InfraGO die entsprechende Klausel nun in ihre Nutzungsbedingungen für die Infrastruktur aufnehmen und den Entwurf im Herbst der Regulierungsbehörde zur Prüfung vorlegen. Der Rahmen entstand aus der formellen Beschwerde von Italo gegen die Verteilung knapper Kapazitäten in Deutschland, ein Verfahren, das den etablierten Anbieter strukturell begünstigt hatte.
Wie die Italo Challenge Deutschland erreichte
Italo ist Italiens privater Hochgeschwindigkeitsbahnbetreiber und in Italien für seine dunkelroten Züge bekannt, die mit der staatlichen Bahn Trenitalia konkurrieren. Die deutschen Pläne sind konkret: Markteintritt im Frühjahr 2028, eine Flotte von 30 Hochgeschwindigkeitszügen und 56 tägliche Verbindungen. Das Unternehmen plant, die Strecke München–Frankfurt–Köln–Dortmund etwa stündlich zu bedienen und München alle zwei Stunden mit Berlin und Hamburg zu verbinden, wie eine dpa-Zusammenfassung auf onvista berichtet.
Die Werbestrategie zielt klar auf preissensible Reisende ab. Das Management von Italo verspricht, dass die Fahrpreise in Deutschland durch den Markteintritt spürbar sinken werden, und auch die Regulierungsbehörde selbst rechnet mit sinkenden Fahrpreisen, wenn zwei Anbieter um dieselben Fahrgäste konkurrieren. Erfahrungen aus Italien und Spanien bestätigen diese Annahme: Auf Strecken, auf denen Hochgeschwindigkeitszüge eingeführt wurden, sanken die Preise und die Fahrgastzahlen stiegen sprunghaft an.
Deutsche Bahn wehrt sich
Der amtierende Betreiber akzeptiert die Entscheidung nicht einfach. Die Deutsche Bahn kündigte an, das Urteil eingehend zu prüfen, und DB InfraGO bezeichnete es laut Rhein-Zeitung als rechtlich fragwürdig und verwies auf verfahrenstechnische und Ermittlungsfehler. Das Unternehmen kann das Urteil vor dem Verwaltungsgericht Köln anfechten, eine Klage würde den geplanten Start von Italo im Jahr 2028 jedoch nicht automatisch verhindern.
Die Politik ist gespalten. Bundesverkehrsminister Patrick Schneider begrüßte zwar mehr Wettbewerb auf Fernstrecken als positiv für die Fahrgäste, warnte aber vor negativen Folgen für das gesamte Netz, falls ein neuer Anbieter lediglich die profitablen Hauptstrecken übernimmt, ohne anderswo etwas beizutragen. Als mögliche Lösung brachte er Änderungen bei der Streckenpreisgestaltung ins Gespräch. Bayern und Brandenburg äußerten hingegen größere Bedenken, dass der Regionalverkehr und die Anbindung ländlicher Gebiete darunter leiden könnten, da die Deutsche Bahn traditionell die Gewinne aus stark frequentierten Strecken zur Finanzierung weniger frequentierter Strecken verwendet.

Was die Italo-Herausforderung für die Fahrpreise bedeuten könnte
Die Herausforderung durch Italo ändert für Fahrgäste zunächst nichts. Bis 2028 behält der ICE neben dem kleinen, bereits bestehenden Flixtrain seine Quasi-Monopolstellung auf den Hauptstrecken. Sollten Italos Pläne jedoch aufgehen, stünde Reisenden auf den Strecken München–Berlin, München–Frankfurt und Rhein-Ruhr eine zweite vollwertige Hochgeschwindigkeitsverbindung mit eigener Preisgestaltung, eigenem Treueprogramm und eigenem Fahrplan zur Verfügung.
Die offenen Fragen sind berechtigt. Italo benötigt für das deutsche Schienennetz zugelassene Züge, Personal, Werkstätten und Bahnhofskapazitäten – allesamt Dinge, deren Aufbau Jahre dauert. Auch die Warnungen vor Quersubventionen sind ernst zu nehmen: Sollte die Deutsche Bahn auf ihren Hauptstrecken Einnahmen verlieren, könnte der Druck auf weniger frequentierte Verbindungen steigen, wenn die Politik nicht eingreift. Wie diese Spannung gelöst wird, entscheidet darüber, ob der Wettbewerb allen oder nur Großstadtreisenden zugutekommt.
Was das für Expats in Deutschland bedeutet
Wer regelmäßig zwischen deutschen Großstädten reist, darf sich über die verspätete Entscheidung freuen. Ab 2028 sollen auf den Hauptverkehrsstrecken mehr Sitzplätze und, wenn sich das Muster anderer Länder wiederholt, günstigere Tickets angeboten werden – insbesondere für Frühbucher. Fernzüge sind zudem nicht im Deutschlandticket enthalten, daher ruht die Hoffnung auf niedrigere Preise vor allem auf dem Wettbewerb; die Pauschalgebühr für den Nahverkehr, die wir in unserem Ratgeber erläutern, bietet hierfür eine gute Alternative. DeutschlandTicketbleibt unberührt.
Fürs Erste ändert sich nichts an der Planung Ihrer Reisen im deutschen Straßennetz, und unsere Übersicht über die Öffentliches Transport System Die aktuellen Optionen werden abgedeckt. Doch die Herausforderung durch Italo ist bemerkenswert: Ein zweiter Hochgeschwindigkeitsbetreiber wäre die größte Umwälzung im deutschen Schienenverkehr seit der Einführung des ICE und würde den Einwohnern, die Wochenendausflüge durchs ganze Land planen, neue Möglichkeiten eröffnen, wie wir in unserem Artikel beschrieben haben. Reisetipps für das Inland, wirklich neue Auswahlmöglichkeiten.
