WirLebenIn.de
Lebenskosten

Inflation in Deutschland sinkt im Oktober auf 2,8 %

4 Min. Lesezeit

Eine leere, von Bäumen gesäumte Kopfsteinpflasterstraße mit Altbauten und brennenden Straßenlaternen in der Abenddämmerung im Herbst.

Der Preisanstieg in Deutschland hat sich im Oktober abgeschwächt. Die Verbraucherpreise lagen 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, wie aus einer ersten Schätzung hervorgeht, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag, dem 30. Oktober, veröffentlicht hat. Im September war die Inflation in Deutschland auf 3,3 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit Dezember 2023. Gegenüber dem Vormonat sanken die Preise um 0,2 Prozent.

Hauptgrund für den Rückgang ist die befristete Senkung der Steuer auf Kraftstoffe, der sogenannte Tankrabatt, der am 1. Oktober in Kraft getreten ist. Ökonomen warnen, dass die Entlastung kaum von Dauer sein dürfte, denn die Maßnahme endet am 31. Dezember.

Inflation in Deutschland im Oktober in Zahlen

Energie bleibt der mit Abstand stärkste Preistreiber. Haushaltsenergie und Kraftstoffe kosteten 12,2 Prozent mehr als im Oktober 2025, nach einem Anstieg von 14,9 Prozent im September. Nahrungsmittel verteuerten sich dagegen nur um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, genauso stark wie im Vormonat. Waren insgesamt waren 3,0 Prozent teurer als vor einem Jahr, nach 3,8 Prozent im September, während die Preise für Dienstleistungen wie Pauschalreisen und Restaurantbesuche um 2,5 Prozent stiegen, nach 2,7 Prozent.

Die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Bereiche Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, sank auf 2,1 Prozent. Sie hatte drei Monate in Folge bei 2,4 Prozent gelegen. Ökonomen beobachten diese Kennzahl genau, weil sie zeigt, wie weit sich der Preisdruck über die Energie hinaus ausgebreitet hat. Der harmonisierte Index, der für Vergleiche innerhalb des Euroraums verwendet wird (HVPI), lag ebenfalls bei 2,8 Prozent. Destatis wird die endgültigen Zahlen für Oktober am 11. November veröffentlichen.

Wie der Tankrabatt die Preise gedrückt hat

Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 ist die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent pro Liter gesenkt. Weil darauf noch die Mehrwertsteuer erhoben wird, beträgt die Entlastung an der Zapfsäule höchstens etwa 17 Cent pro Liter. Die Bundesregierung hat die Maßnahme eingeführt, weil sich Kraftstoff infolge des Iran-Kriegs, der die Energiepreise seit Ende Februar in die Höhe treibt, stark verteuert hatte. Nach Angaben des Bundestages kostet die Senkung den Staat rund 2,5 Milliarden Euro an Energiesteuer und knapp 300 Millionen Euro an Mehrwertsteuer. Tankstellen sind gesetzlich nicht verpflichtet, die Senkung vollständig weiterzugeben.

Regionale Daten zeigen die Wirkung. In Bayern fielen die Kraftstoffpreise von September auf Oktober um 4,4 Prozent, wie das Landesamt für Statistik mitteilte, lagen aber immer noch 27,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Leichtes Heizöl, für das die Steuersenkung nicht gilt, kostete 79,5 Prozent mehr als im Oktober 2025. Die Gesamtrate in Bayern lag bei 2,8 Prozent und damit gleichauf mit dem bundesweiten Wert. Nach Länderdaten, über die die Nachrichtenagentur dts berichtete, lag die Inflation in Nordrhein-Westfalen bei 2,7 Prozent und im Saarland bei 3,3 Prozent.

Eine schwarze Zapfpistole in ihrer Halterung an einer Tankstelle, im Hintergrund ein geparktes Auto und herbstliche Bäume.

Warum Ökonomen keine Entwarnung geben

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, der Rückgang unter 3 Prozent sei vor allem auf die Senkung der Kraftstoffsteuer zurückzuführen und es sei zu früh für eine Entwarnung, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX berichtete. Er erwartet, dass die Inflation in Deutschland um den Jahreswechsel wieder über 3 Prozent steigt. Michael Heise, Chefvolkswirt von HQ Trust, sagte, der Rückgang sei etwas stärker ausgefallen als erwartet, betonte aber, dass eine Rate von 2,8 Prozent immer noch einen hohen Kaufkraftverlust bedeute, zumal Kraftstoffe und Energie weiterhin deutlich teurer seien als vor einem Jahr.

Hinzu kommt die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte, wenn höhere Energiekosten über Transport, Lagerung und Rohstoffe nach und nach in die Preise anderer Waren und Dienstleistungen einfließen. Laut dpa-AFX rechnet die Bundesbank damit, dass die Energiepreise im Schlussquartal trotz der Steuersenkung auf einem sehr hohen Niveau bleiben, und führende Wirtschaftsforschungsinstitute sagen einen Anstieg der Inflation von 2,8 Prozent in diesem Jahr auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 voraus. KfW-Ökonomin Stephanie Schoenwald erwartet, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen im Dezember erneut anhebt, sofern sich die Bedingungen nicht ändern. Die EZB hat die Zinsen in diesem Jahr bereits zweimal erhöht.

Löhne liegen vorerst noch vor den Preisen

Bisher sind die Lohnerhöhungen der Inflation in Deutschland vorausgeeilt. Im zweiten Quartal 2026 lagen die Nominallöhne 4,1 Prozent über dem Vorjahresniveau, während die Verbraucherpreise um 2,5 Prozent stiegen, wie Destatis im August mitteilte. Daraus ergab sich ein Reallohnzuwachs von 1,5 Prozent, das heißt, die durchschnittlich Beschäftigten konnten sich etwas mehr leisten als ein Jahr zuvor.

Diese Lohnzahlen beziehen sich allerdings auf das zweite Quartal und lassen sich nicht einfach mit den seitdem veröffentlichten monatlichen Inflationsraten vergleichen. Nach dem Frühjahr war die Inflation höher, sie erreichte im September 3,3 Prozent, bevor sie im Oktober auf 2,8 Prozent zurückging. Der Reallohnzuwachs könnte daher geschrumpft sein, doch die offiziellen Lohnzahlen für das dritte Quartal stehen noch aus. Ob die Reallöhne weiter steigen, hängt davon ab, wie schnell die Energiepreise nachgeben und wie hoch die nächsten Tarifrunden ausfallen.

Ein Weidenkorb mit Brot, Äpfeln, Karotten, Milch und Butter auf einem Küchentisch aus Holz im herbstlichen Sonnenlicht.

Was die Inflation in Deutschland für Expats bedeutet

Autofahrer werden an der Tankstelle eine Veränderung bemerken. Wenn der Tankrabatt am 31. Dezember ausläuft, gelten ab dem 1. Januar 2027 wieder die regulären Energiesteuersätze, was den Preis um bis zu etwa 17 Cent pro Liter einschließlich Mehrwertsteuer erhöht. Sofern die Ölpreise nicht gleichzeitig sinken, sollten Autofahrer im Januar mit höheren Spritpreisen rechnen. Pendler, die auf das Auto angewiesen sind, können vor dem Jahreswechsel noch einmal volltanken und prüfen, ob öffentliche Verkehrsmittel eine günstigere Alternative wären. Mehr zum Hintergrund lesen Sie in unserem Bericht über Spritpreise und die Steuerentlastung.

Für das Haushaltsbudget sagt die Gesamtrate nicht alles. Nahrungsmittel verteuerten sich nur leicht, um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, doch vor allem Heizöl ist deutlich teurer als vor einem Jahr; wer mit Öl heizt, sollte also vorausplanen. Beschäftigte, die über eine Gehaltserhöhung verhandeln oder den Job wechseln, können die Inflationsaussichten als Orientierung nutzen: Trifft die Prognose der Institute von 3,2 Prozent für 2027 zu, würde jede Lohnerhöhung unterhalb dieses Wertes real einen Verlust bedeuten. Zum Vergleich mit früheren Monaten dieses Jahres lesen Sie unseren Bericht über die Inflation in Deutschland im Juli, als die Rate ebenfalls bei 2,8 Prozent lag.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

Ähnliche Artikel