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Was passiert in Deutschland?

Notaufnahmen überlastet: Wann die 116117 hilft

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Ein leerer Krankenhausflur bei Nacht mit Reihen blauer Wartestühle an der Wand und einer offenen Tür zu einem Behandlungsraum am Ende.

Die Notaufnahmen in Deutschland behandeln mehr Menschen, denen auch anderswo hätte geholfen werden können, während sich immer weniger Kliniken die Last teilen. Das ist das zentrale Ergebnis des Barmer Krankenhausreports 2026, den die gesetzliche Krankenkasse am 27. Oktober in Berlin vorgestellt hat. Die Barmer will nun, dass jede Patientin und jeder Patient ohne lebensbedrohlichen Zustand vor dem Gang ins Krankenhaus telefonisch eingeschätzt wird, ein Schritt, den die neue Notfallreform des Bundes freiwillig lässt. Für Menschen in Deutschland gibt es zwei Nummern: die 112 für Notfälle und die 116117 für dringende Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten.

Was der Barmer-Report in den Notaufnahmen festgestellt hat

Laut dem Report führten Krankenhäuser in Deutschland 2015 rund 12,3 Millionen ambulante Notfallbehandlungen durch und 2024 rund 12,7 Millionen. Ambulant bedeutet, dass die Patienten untersucht und dann nach Hause geschickt statt auf eine Station aufgenommen wurden. Der Anstieg insgesamt ist gering, doch die Zahl der Kliniken, die diese Versorgung leisten, ist im selben Jahrzehnt gesunken, sodass sich weniger Standorte die Fälle teilen. Die Barmer errechnet, dass ein durchschnittliches Krankenhaus 2024 8,7 Prozent mehr ambulante Notfälle behandelte als zehn Jahre zuvor.

Hinter dem Durchschnitt verbergen sich große Unterschiede. In jeder zehnten Klinik hat sich die Zahl dieser Fälle seit 2015 mehr als verdoppelt, berichtete das ZDF unter Berufung auf die Studie. In zwei von fünf Kliniken stieg die Fallzahl um 39 Prozent, in zwei weiteren von fünf sank sie um 26 Prozent. Die Barmer zählt nur Krankenhäuser mit mindestens 50 ambulanten Notfallbehandlungen pro Jahr, und nach diesem Maßstab sank ihre Zahl von 1.614 auf 1.536. Die Zahlen beruhen auf Abrechnungsdaten von rund 8,5 Millionen Barmer-Versicherten und wurden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. WeLiveIn.de hat bereits über Rekordzahlen bei Besuchen in Notaufnahmen in Deutschland berichtet.

Der hell erleuchtete Glaseingang mit überdachter Vorfahrt eines großen modernen Gebäudes in der Abenddämmerung, mit Herbstbäumen und nassem Pflaster.

Warum manche Regionen die Notaufnahmen viel häufiger nutzen

Die Nutzung unterscheidet sich je nach Region erheblich. Laut dem Barmer-Report behandelten Krankenhäuser in Baden-Württemberg 2024 pro Einwohner rund 50 Prozent mehr ambulante Notfälle als im Bundesdurchschnitt, während Kliniken in Thüringen rund 22 Prozent darunter lagen. Der Autor der Studie, der Mediziner Daniel Grandt, nannte in seinem schriftlichen Statement zur Vorstellung eine niedrigere Zahl und sah Baden-Württemberg 35 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die Nachrichtenagentur dpa fasste den Unterschied so zusammen, dass Menschen im Südwesten die Notfallversorgung im Krankenhaus fast doppelt so oft nutzten wie Menschen in Thüringen.

Grandt sagte, die regionalen Unterschiede ließen sich weder demografisch noch medizinisch erklären. Er wies außerdem darauf hin, dass viele Fälle einfach sind. Laut Barmer wurden 60 Prozent der ambulanten Notfallpatienten ohne jede apparative Diagnostik wie Ultraschall, Röntgen oder CT behandelt. Grandt ergänzte, dass werktags sechs von zehn dieser Besuche zwischen 8 und 18 Uhr stattfanden, wenn die Hausarztpraxis in der Regel geöffnet gewesen wäre.

Grandt betonte, dass Patienten mit Sorgen, die sich als unbegründet erweisen, keine Schuld trifft. Viele Menschen könnten schlicht nicht einschätzen, wie dringend ihre Beschwerden sind, sagte er, und in einer aktuellen Befragung wusste mehr als die Hälfte der befragten Patienten in Notaufnahmen nicht, dass es einen ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt. Er forderte eine bundesweite Informationskampagne, die er als fehlenden Baustein der Reform bezeichnete.

Barmer fordert verpflichtende Ersteinschätzung vor den Notaufnahmen

Barmer-Vorstandschef Christoph Straub warnte, dass volle Wartebereiche alle gefährden, auch Patienten, die tatsächlich einen akuten Notfall haben. "Nicht jeder vermeintliche Notfall ist auch tatsächlich einer", sagte er laut dpa bei der Vorstellung. Im ZDF-Morgenmagazin fügte er hinzu, dass Menschen mit schweren Erkrankungen und starken Schmerzen dadurch länger warten müssen.

Er schlägt für alle, die nicht in Lebensgefahr sind, eine verpflichtende telefonische Ersteinschätzung vor, die später durch digitale Angebote ergänzt werden soll. Die Patienten würden dann in die passende Versorgungsebene gelenkt, etwa in eine Hausarztpraxis, eine Bereitschaftspraxis oder ins Krankenhaus, und bekämen dort einen festen Termin. Die Barmer verweist auf Dänemark, wo man außer in lebensbedrohlichen Fällen zuerst anrufen muss. Laut Grandt werden 42 Prozent der dänischen Telefoneinschätzungen vollständig abgeschlossen, ohne dass ein Besuch in Klinik oder Praxis nötig ist.

Straub wünscht sich außerdem mehr ärztliche Hausbesuche und erweiterte Befugnisse für Pflegekräfte und anderes nichtärztliches Personal in Pflegeheimen. Ziel ist, dass gebrechliche ältere Menschen nicht wegen Beschwerden ins Krankenhaus gebracht werden, die dort behandelt werden könnten, wo sie leben.

Was die neue Notfallreform ändert

Der Bundestag hat die Notfallreform am 15. Oktober mit den Stimmen der Regierungskoalition und der Grünen beschlossen, während sich AfD und Linke enthielten, berichtete dpa. Laut Bundesgesundheitsministerium wird die Nummer 116117 in einen Terminservice und eine Akutleitstelle aufgeteilt, eine rund um die Uhr arbeitende Leitstelle für die Akutversorgung, die telefonisch oder per Video berät und bei Bedarf einen Arzt zum Hausbesuch schicken kann. Krankenhäuser sollen Integrierte Notfallzentren betreiben, in denen die Notaufnahme, eine Bereitschaftspraxis und ein zentraler Tresen für die Ersteinschätzung zusammenkommen. Außerdem sollen die 116117-Zentralen und die Rettungsleitstellen der 112 digital vernetzt werden, damit Informationen weitergegeben werden, ohne dass Patienten alles wiederholen müssen.

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann nannte die Reform längst überfällig. Die Kritik der Krankenkasse ist enger gefasst: Das Gesetz bietet die telefonische Ersteinschätzung an, verpflichtet aber niemanden dazu, sodass Patienten weiterhin direkt in eine Notaufnahme gehen können. "Ohne eine klare Verpflichtung ist der Erfolg der Reform fraglich", sagte Straub laut dpa und ZDF.

Eine Person, von hinten zu sehen, sitzt am Abend auf einem Sofa in einer schwach beleuchteten Altbauwohnung mit Stuckdecke und telefoniert.

116117 oder 112: wie Zugewanderte die Notaufnahmen nutzen sollten

Die beiden Nummern haben unterschiedliche Aufgaben, und Anrufe bei beiden sind aus dem Festnetz und vom Handy kostenlos. Die 112 ist die Notrufnummer für lebensbedrohliche Situationen wie Brustschmerzen, Anzeichen eines Schlaganfalls, starke Blutungen, schwere Atemprobleme oder einen schweren Unfall. Sie verbindet mit dem Rettungsdienst, der einen Rettungswagen schickt und entscheidet, welches Krankenhaus geeignet ist.

Die 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst, der von den Ärztinnen und Ärzten getragen wird, die gesetzlich Versicherte behandeln. Laut der offiziellen Website ist er für Beschwerden gedacht, mit denen man normalerweise in eine Praxis gehen würde, die aber nicht bis zum nächsten Tag warten können. Die Leitung ist rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche besetzt und funktioniert bundesweit ohne Vorwahl. Der Dienst kann Sie an eine Bereitschaftspraxis verweisen, eine Praxis, die abends, am Wochenende und an Feiertagen geöffnet ist. Zahnprobleme gehören nicht dazu, denn dafür gibt es eigene zahnärztliche Notdienste.

Die Website 116117.de bietet außerdem einen Symptomcheck namens Patienten-Navi, eine Suche nach Bereitschaftspraxen in der Nähe und einen Terminservice für gesetzlich Versicherte. Teile davon gibt es auf Englisch, Arabisch, Türkisch, Ukrainisch und in mehreren weiteren Sprachen. Während der üblichen Sprechzeiten bleibt die eigene Hausarztpraxis, der Hausarzt, die erste Anlaufstelle, auch wenn in den kommenden Jahren ein Mangel an Hausärzten erwartet wird. Nehmen Sie in eine Praxis oder ins Krankenhaus immer Ihre Gesundheitskarte mit.

Rufen Sie im Zweifel die 116117 an und schildern Sie Ihre Beschwerden, und wählen Sie sofort die 112, wenn etwas lebensbedrohlich sein könnte. Wer mit einem kleinen Problem in die Notaufnahmen geht, muss meist lange warten, und laut Grandt enden solche Besuche oft ohnehin mit einer Überweisung zurück an die Hausarztpraxis.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

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