Gaspreis steigt vor dem Winter über 100 Euro
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Der europäische Großhandelspreis für Gas ist am Mittwoch, dem 28. Oktober, im Handelsverlauf erstmals seit 2022 über 100 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen. Der richtungweisende niederländische TTF-Kontrakt zur Lieferung im kommenden Monat wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa-AFX bei rund 100,3 Euro gehandelt, mehr als 4 Prozent höher als am Vortag. Reuters berichtete unter Berufung auf Daten der Börse ICE, der Gaspreis habe die Marke am frühen Nachmittag erreicht und sei dann knapp darunter auf etwa 99,7 Euro zurückgefallen.
Der Sprung kommt zu Beginn der Heizsaison, und die deutschen Gasspeicher sind für die Jahreszeit deutlich leerer als üblich. Höhere Rechnungen kommen bei den Haushalten nicht sofort an, viele dürften aber in den kommenden Wochen Preisanpassungsschreiben für 2027 erhalten. Der Anstieg hat Folgen für die Menschen in Deutschland.
Warum der Gaspreis so schnell steigt
Haupttreiber bleibt der Krieg mit Beteiligung Irans, der die Energiemärkte seit Ende Februar erschüttert. Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) aus dem Nahen Osten sind gestört, und Europa, das stark auf LNG-Importe angewiesen ist, konkurriert härter mit Käufern in Asien. Die starke Nachfrage aus China, das seine eigenen Speicher füllt, hat LNG-Ladungen von Europa abgezogen, sagten vom Handelsblatt zitierte Analysten.
Auch die Wetterprognosen erhöhen den Druck. Die Vorhersagen deuten auf unterdurchschnittliche Temperaturen Anfang November hin, was den Heizbedarf steigern und die Reserven früher als geplant schrumpfen lassen würde. Der Anstieg war steil: Anfang September notierte TTF noch unter 70 Euro, berichtete AFP, und nach Angaben von dpa-AFX hat sich der Preis seit Anfang 2026 mehr als verdreifacht. Dennoch liegt er weit unter dem Niveau von 2022, als der Preis nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine auf deutlich über 300 Euro stieg.
Speicherstände niedriger als vor einem Jahr
EU-weit sind die Gasspeicher nach Angaben von AGSI, der Transparenzplattform der europäischen Gasinfrastrukturbetreiber, zu fast 75 Prozent gefüllt, verglichen mit rund 83 Prozent zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. In Deutschland ist weniger Gas eingespeichert. Die Speicher hier sind nur zu etwa 61 bis 62 Prozent gefüllt, nach rund 75 Prozent ein Jahr zuvor.
Die Bundesregierung hat bereits reagiert. Im vergangenen Monat wurde das staatseigene Unternehmen SEFE (Securing Energy for Europe) angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicher zu kaufen, berichtete dpa-AFX. Geringere Reserven bedeuten, dass Deutschland in den kältesten Wochen stärker auf laufende Importe angewiesen sein wird. Das macht den Markt empfindlich für jede Kältewelle und jedes neue Lieferproblem.

Wann Haushalte den höheren Gaspreis spüren
Die meisten Privatkunden werden den Sprung nicht auf ihrer nächsten Rechnung sehen. Energieversorger kaufen einen großen Teil ihres Gases Monate oder sogar Jahre im Voraus, und die meisten Haushalte haben längerfristige Verträge. Bewegungen an der Börse kommen bei Bestandskunden deshalb nur mit Verzögerung an, wie ORF und t-online betonen. Tarife für Neukunden reagieren deutlich schneller.
Schon vor dem Preissprung dieser Woche rechnete das Vergleichsportal Verivox zum Jahreswechsel mit breiten Preiserhöhungen für Gaskunden, je nach Tarif zwischen 10 und 20 Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden wären das rund 250 bis 500 Euro mehr im Jahr. Verivox erwartet zudem, dass die Netzentgelte, also die Gebühren für die Nutzung des Gasnetzes, 2027 bundesweit um rund 3 Prozent steigen.
Versorger müssen Preiserhöhungen ankündigen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur müssen Haushaltskunden mit einem Sondervertrag bei einem Versorger mindestens einen Monat im Voraus über eine Preisänderung informiert werden. In der Grundversorgung beträgt die Frist sechs Wochen, Schreiben zu einer Erhöhung zum 1. Januar 2027 müssen also bis etwa 20. November eintreffen.
Vertrag und Kündigungsrecht prüfen
Wer eine Preiserhöhung angekündigt bekommt, hat in der Regel ein Sonderkündigungsrecht, unabhängig von der regulären Vertragslaufzeit. Die Kündigung muss beim Versorger eingehen, bevor der neue Preis gilt. Die Bundesnetzagentur empfiehlt, sie nachweisbar zu versenden und um eine schriftliche Bestätigung zu bitten. Kunden in der Grundversorgung können ohnehin jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Eine Ausnahme gibt es: Eine Änderung, die lediglich einen geänderten Mehrwertsteuersatz weitergibt, begründet kein Sonderkündigungsrecht.
Ein höherer monatlicher Abschlag allein ist keine Preiserhöhung und löst kein Sonderkündigungsrecht aus. Versorger passen den Abschlag üblicherweise an, wenn sich die Preise oder der erwartete Verbrauch ändern. Wer den neuen Betrag für zu hoch hält, kann schriftlich darlegen, warum der eigene Verbrauch niedriger ausfallen wird, und den Versorger bitten, eine nicht erläuterte Erhöhung zu begründen.

Was der Gaspreissprung für Mieter und Expats bedeutet
Viele Expats wohnen zur Miete in Wohnungen mit Gaszentralheizung. In diesem Fall kauft der Vermieter das Gas ein und legt die Kosten über die Nebenkosten um, die Mieter zusammen mit der Miete als monatliche Vorauszahlung leisten. Höhere Einkaufskosten zeigen sich deshalb in der jährlichen Betriebskostenabrechnung, oft viele Monate später und manchmal als hohe Nachzahlung. Mieter können ihren Vermieter bitten, die monatliche Vorauszahlung freiwillig anzuheben, und für die nächste Abrechnung etwas Geld zurückzulegen ist eine sinnvolle Vorsorge. Unser Artikel über Rechte und Pflichten von Mietern erklärt die Grundlagen.
Mieter mit eigenem Gasvertrag, etwa für eine Gasetagenheizung in der Wohnung, sollten im November ihre Post im Blick behalten, Angebote vergleichen, sobald ein Schreiben zur Preisanpassung eintrifft, und das Sonderkündigungsrecht nutzen, wenn ein günstigerer Tarif verfügbar ist. Unsere Übersicht über Energieanbieter und Optionen erklärt, wie der Wechsel funktioniert. Weniger Energie zu verbrauchen bleibt der direkteste Weg, die Kosten zu begrenzen: Die Raumtemperatur leicht senken, Heizkörper frei halten und entlüften sowie kurz, aber vollständig stoßlüften, statt Fenster gekippt zu lassen, senkt den Verbrauch.
Ob sich der Gaspreis um 100 Euro einpendelt oder weiter steigt, hängt vor allem vom Wetter der nächsten Wochen und von der Lage im Nahen Osten ab. Selbst wenn die Preise wieder nachgeben, dürfte der Markt wegen der niedrigen Speicherstände für den Rest des Winters nervös bleiben.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.



