VW-Stellenabbau: 12.000 weitere Jobs fallen bis 2030 weg
5 Min. Lesezeit

Volkswagen will bei seiner Kernmarke VW bis 2030 weitere 12.000 Stellen abbauen, zusätzlich zu den mehr als 35.000 Stellen, die 2024 mit der Arbeitnehmervertretung vereinbart wurden. Der VW-Stellenabbau wurde am Freitag, dem 23. Oktober, bestätigt, nachdem sich das Management in Hannover mit der Gewerkschaft IG Metall und dem Betriebsrat getroffen hatte. Die Ankündigung kommt wenige Wochen, nachdem der Autobauer die meisten seiner Haustarifverträge gekündigt hat. Damit zeichnet sich bei einem der größten Industriearbeitgeber Deutschlands ein Arbeitskampf im Winter ab.
Für Menschen aus dem Ausland, die in VW-Werken oder bei Zulieferern arbeiten, wirft die Ankündigung praktische Fragen zu Arbeitsplatzsicherheit, Abfindungen und Aufenthaltsstatus auf.
VW-Stellenabbau: Was am 23. Oktober angekündigt wurde
Arne Meiswinkel, der für das Personal zuständige Vorstand der Marke VW, sagte, der Plan sei eine Folge der deutlichen Verschlechterung des Geschäfts, seit das Unternehmen und die IG Metall 2024 den sogenannten Zukunftstarifvertrag unterzeichnet haben. "Wir haben keine Zeit zu verlieren", sagte Meiswinkel nach den Gesprächen, wie t-online und die österreichische Nachrichtenagentur APA berichteten. Laut WirtschaftsWoche bezeichnete er die Veränderungen im Automarkt als strukturell und tiefgreifend und verwies auf chinesische Hersteller, die günstige Autos nach Europa exportieren.
Laut WirtschaftsWoche sind die zusätzlichen Kürzungen Teil eines konzernweiten Umbauplans, den der Aufsichtsrat Anfang September beschlossen hat. Danach sollen im gesamten Volkswagen-Konzern rund 50.000 Stellen wegfallen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Eine zweite Gesamtzahl stammt von auto motor und sport: Das Magazin addiert die neuen 12.000 Stellen zu den 2024 vereinbarten 35.000 und kommt so auf rund 47.000 Stellen. Dabei handelt es sich um die eigene Summe des Magazins aus den beiden VW-Paketen, nicht um eine Zahl für den gesamten Konzern. Wie sich der neue Abbau auf die Standorte verteilt, hat VW noch nicht gesagt.
Keine Kündigungen, aber Transfergesellschaften im Gespräch
VW betont, dass der Abbau sozialverträglich erfolgen soll. Die Vereinbarung von 2024 schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 aus, und VW hält nach eigenen Angaben an dieser Beschäftigungsgarantie fest. Die Stellen sollen daher vor allem über freiwillige Abgänge und nicht über Entlassungen wegfallen. Wie auto motor und sport betont, bedeutet die Zahl von 47.000 Stellen nicht, dass 47.000 Menschen gegen ihren Willen ihren Arbeitsplatz verlieren.
VW möchte außerdem öffentlich geförderte Transfergesellschaften nutzen. Beschäftigte, die einem Wechsel in eine solche Gesellschaft zustimmen, verlassen VW und erhalten für einen begrenzten Zeitraum Weiterbildung und Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Stelle. Laut auto motor und sport kann die Bundesagentur für Arbeit bis zu zwölf Monate lang einen Teil des Verdienstausfalls ausgleichen, und zwar mit 60 Prozent des bisherigen Nettolohns oder 67 Prozent bei Beschäftigten mit Kindern. Ob VW die Voraussetzungen erfüllt, ist noch offen, und eine Transfergesellschaft braucht die Zustimmung des Betriebsrats.

Der Betriebsrat lehnt den Vorschlag ab. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat gewarnt, Transfergesellschaften könnten die Beschäftigungsgarantie "durch die Hintertür" aushebeln, und sowohl sie als auch die IG Metall lehnen einen vom Steuerzahler finanzierten Umbau ab. Die Gewerkschaft weist zudem darauf hin, dass die Beschäftigten seit 2024 als Beitrag zur Sanierung bereits auf rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr verzichten, während VW laut auto motor und sport im Juni rund 2,6 Milliarden Euro Dividende ausgeschüttet hat.
Tarifverträge gekündigt, Streiks ab Januar möglich
Der neue VW-Stellenabbau fällt in einen bereits laufenden Tarifkonflikt. Ende September kündigte Volkswagen zehn seiner Haustarifverträge zum 31. Dezember 2026. Sie regeln Entgelt, Arbeitszeit, Urlaub und Zulagen für rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG in Deutschland, darunter die Bereiche Pkw und Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte und zentrale Funktionen. Cavallo nannte den Schritt einen Riesenaffront, IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sprach von einem Vertrauensbruch.
Gröger setzte VW eine Frist bis Ende Oktober, um die Kündigungen zurückzunehmen, und kündigte an, andernfalls werde die Gewerkschaft Arbeitskampfmaßnahmen vorbereiten. Solange ein Tarifvertrag gilt, ist die Gewerkschaft an die Friedenspflicht gebunden und darf nicht streiken. Diese Pflicht endet am 31. Dezember, sodass Warnstreiks in VW-Werken ab Januar 2027 möglich wären. Gröger warnte, der Konflikt könne größer werden als alles, was der Konzern bisher erlebt hat.
Formelle Verhandlungen sind für den 24. November in Emden und den 15. Dezember in Zwickau angesetzt. Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Lohn, will laut WirtschaftsWoche aber auch über längere Regelungen zur Altersteilzeit und eine Beschäftigungssicherung bis in die 2030er-Jahre sprechen. Berichte, wonach VW seine Personalabteilungen angewiesen habe, bis 2030 keine Lohnerhöhungen einzuplanen, haben den Ärger der Belegschaft noch verstärkt.
Welche Standorte der VW-Stellenabbau trifft
Besonders im Fokus stehen vier deutsche Werke: Emden, Zwickau, Hannover und das Audi-Werk in Neckarsulm. Das Management hat erklärt, es könne diesen Fabriken derzeit keine wettbewerbsfähigen Nachfolgemodelle für die 2030er-Jahre zusagen, und prüft andere Nutzungen. Beide Verhandlungsrunden, in Emden und in Zwickau, finden daher in Werken statt, deren Zukunft ungewiss ist.
Der VW-Stellenabbau spiegelt eine tiefe Krise bei Europas größtem Autobauer wider. Laut Reuters sind die Hauptursachen der Absatzeinbruch in China und der Druck durch günstigere chinesische Konkurrenten. Die IG Metall wiederum argumentiert, Probleme wie die US-Importzölle und die Schwierigkeiten in China seien schon vor zwei Jahren absehbar gewesen, wie APA berichtete.

Was der VW-Stellenabbau für ausländische Beschäftigte bedeutet
Für Beschäftigte der Marke VW ist entscheidend, dass die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2030 weiter gilt, sodass derzeit niemand betriebsbedingt gekündigt werden kann. Ein Ausscheiden über ein Freiwilligenprogramm oder der Wechsel in eine Transfergesellschaft ist eine persönliche Entscheidung. Es lohnt sich, vor einer Unterschrift den Betriebsrat, die IG Metall oder eine Anwältin oder einen Anwalt für Arbeitsrecht um Rat zu fragen, denn eine spätere Rückkehr von einer Transfergesellschaft zu VW ist ungewiss.
Der Aufenthaltsstatus verdient besondere Aufmerksamkeit. Viele Aufenthaltstitel für Nicht-EU-Bürger, darunter die Blaue Karte EU, sind an eine Beschäftigung gebunden. Der Verlust oder die Aufgabe einer Stelle beendet einen Aufenthaltstitel nicht automatisch, die Ausländerbehörde sollte aber umgehend informiert werden, und wie viel Zeit für die Suche nach einer neuen Arbeit bleibt, hängt vom Titel und von der örtlichen Behörde ab. Da eine Transfergesellschaft ein neues, befristetes Arbeitsverhältnis mit einem anderen Arbeitgeber bedeutet, sollten alle mit einem beschäftigungsbezogenen Aufenthaltstitel die Folgen vor einer Zustimmung mit der Ausländerbehörde klären.
Wessen Arbeitsverhältnis endet, muss sich mindestens drei Monate vor dem letzten Arbeitstag bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden, oder innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis, wenn die Frist kürzer ist. Eine verspätete Meldung kann zu einer einwöchigen Sperrzeit beim Arbeitslosengeld führen. Unser Ratgeber zum Arbeitslosengeld erklärt, wie das System funktioniert, und unser früherer Bericht über VW-Stellenabbau und Werksschließungen liefert weitere Hintergründe.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.



