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Temu-Shein-Gebühr: EU verlangt ab 1. November 2 Euro

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Kartons und Plastikversandbeutel, gestapelt neben einer Tür im gefliesten Treppenhaus eines alten Wohnhauses.

Einkaufen bei Temu, Shein oder AliExpress wird ab Sonntag, dem 1. November 2026, in der gesamten Europäischen Union teurer. Ab diesem Tag erhebt die EU eine neue Bearbeitungsgebühr auf Waren, die online außerhalb der Union bestellt und direkt an Verbraucher verschickt werden. Die Temu-Shein-Gebühr, offiziell Union Handling Fee genannt, beträgt 2 Euro pro Warenposition (Produktkategorie) in der Zollanmeldung, nicht pro Bestellung. Sie kommt zu dem pauschalen Zoll von 3 Euro hinzu, der seit Juli für kleine Pakete gilt. Zusammen verteuern die beiden Abgaben viele günstige Bestellungen um mindestens 5 Euro, und um mehr, wenn eine Bestellung mehrere verschiedene Produkte enthält.

Die Gebühr betrifft nicht nur chinesische Plattformen. Nach Angaben der estnischen Steuer- und Zollbehörde gilt sie für Fernabsatzsendungen, die in Nicht-EU-Ländern bestellt und von Unternehmen an Privatpersonen geschickt werden, und die irische Steuer- und Zollbehörde Revenue erklärt, dass sie unabhängig vom Warenwert für alle Onlinekäufe gilt, die von außerhalb der EU verschickt werden. Expats, die in Shops in ihren Heimatländern bestellen, etwa im Vereinigten Königreich, in den USA, in der Türkei oder in der Ukraine, dürften sie daher ebenfalls zahlen.

Was die neue Temu-Shein-Gebühr ist

Die Bearbeitungsgebühr soll die Arbeit des Zolls mit der großen Zahl kleiner Pakete finanzieren: die Prüfung von Unterlagen, Risikoanalysen und die physische Kontrolle von Sendungen. Die estnische Steuer- und Zollbehörde, die vor dem Start Hinweise veröffentlicht hat, beschreibt sie als Abgabe, die genau diese Kontrollkosten decken soll. The Local und The Brussels Times berichten übereinstimmend, dass die Gebühr dauerhaft gilt und ihre Höhe alle zwei Jahre überprüft wird.

Anders als der Zoll von 3 Euro hat die neue Gebühr keine Wertgrenze. Der Zoll gilt nur für Sendungen bis zu einem Wert von 150 Euro, die Bearbeitungsgebühr fällt dagegen unabhängig vom Preis der Waren an, wie die österreichische Nachrichtenseite Vienna.at und mehrere deutsche Medien betonen. Eine Jacke für 300 Euro aus einem US-Shop löst die Gebühr also genauso aus wie eine Handyhülle für 4 Euro aus China. Nach Angaben der estnischen Zollbehörde und von The Local sind Geschenke zwischen Privatpersonen nicht erfasst, und die estnische Behörde ergänzt, dass auch der Handel zwischen Unternehmen ausgenommen ist.

So wird die Gebühr berechnet: pro Kategorie oder pro Zollposition

Die Gebühr wird nicht pro Bestellung, pro Paket oder pro Stück erhoben. Sie hängt davon ab, wie die Waren in der Zollanmeldung aufgeführt sind, doch die Quellen beschreiben die Einheit etwas unterschiedlich. Die estnische Steuer- und Zollbehörde spricht von einer Gebühr für jede Warenposition in der Zollanmeldung, und Vienna.at nennt jede unterschiedliche Warenposition. The Local und das deutsche Techportal GIGA beschreiben sie als Gebühr pro Produktkategorie, während die irische Steuer- und Zollbehörde Revenue von 2 Euro pro unterschiedlichem Artikel spricht, wobei identische Artikel als einer zählen. Diese Beschreibungen decken sich nicht zwingend in jedem Fall, sodass der genaue Betrag bei einer gemischten Bestellung davon abhängen kann, wie ihre Waren in der Anmeldung aufgeführt werden.

Die Medien veranschaulichen die Regel mit einfachen Beispielen. Laut Berliner Kurier kosten zehn identische T-Shirts in einem Karton 2 Euro Bearbeitungsgebühr, ein T-Shirt und eine Haarspange im selben Karton dagegen 4 Euro. The Local nennt als Beispiel eine Sendung mit zwanzig Mützen, die 2 Euro kostet, und ein Paket mit Mützen, T-Shirts und Gürteln, für das drei Kategorien berechnet werden und das 6 Euro kostet.

Schlichte Pappkartons auf einem Förderband in einer großen, leeren, modernen Paketsortierhalle.

Temu-Shein-Gebühr zusätzlich zum Zoll von 3 Euro

Die Bearbeitungsgebühr kommt zu einer bereits geltenden Maßnahme hinzu. Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU auf Sendungen bis 150 Euro einen pauschalen Zoll von 3 Euro pro Warenkategorie, nachdem sie die alte Zollfreigrenze für kleine Importe abgeschafft hat. Dieser Zoll ist befristet und soll im Juli 2028 auslaufen. Dann sollen für kleine Pakete die regulären Zolltarife der jeweiligen Produkte gelten, wie The Local und die deutsche Apple-Nachrichtenseite iFun berichten.

Die beiden Abgaben können eine günstige Bestellung deutlich verteuern. Vienna.at nennt das Beispiel von fünf identischen T-Shirts, die eine Position bilden und 3 Euro Zoll plus 2 Euro Bearbeitungsgebühr kosten, insgesamt also 5 Euro. Die irische Behörde Revenue rechnet vor, dass für ein Paket im Wert von 10 Euro mit drei verschiedenen Artikeln, einem Stift, einem Notizbuch und einem Schlüsselanhänger, 9 Euro Zoll und 6 Euro Gebühren anfallen, also 15 Euro vor einer etwaigen Einfuhrumsatzsteuer. Bei Artikeln, die jeweils nur wenige Euro kosten, können die Zusatzkosten nun höher sein als der Preis der Waren.

Wer zahlt und was bei Rücksendungen gilt

Rechtlich ist die Temu-Shein-Gebühr keine Rechnung für Verbraucher. Nach den EU-Regeln müssen die Plattformen, die Verkäufer oder die Unternehmen, die die Zollanmeldungen abgeben, sie bezahlen. In der Praxis weisen jedoch Revenue und mehrere andere Quellen darauf hin, dass die Verkäufer die Kosten weitergeben dürfen, entweder über höhere Produktpreise oder über zusätzliche Service- und Versandgebühren an der Kasse. Manche Shops kassieren Zoll und Gebühren schon beim Kauf, in anderen Fällen kann der Kurier- oder Postdienst vor der Übergabe des Pakets eine Zahlung verlangen, erklärt Revenue.

Verbraucherverbände fordern klare Informationen über die Abgaben. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) verlangt, dass jeder Aufschlag vor dem Abschluss einer Bestellung transparent angezeigt wird, berichtet iFun, während der europäische Verbraucherverband BEUC fordert, dass Zustelldienste Käufern die Gebühr nicht im Nachhinein in Rechnung stellen dürfen. Auch Rücksendungen können Käufer Geld kosten. Nach Angaben der irischen Behörde Revenue wird die Bearbeitungsgebühr bei einer Rücksendung nicht erstattet, selbst wenn die Ware mangelhaft ist, und auch die deutschen Medien Techbook und Deutsche Handwerks Zeitung berichten, dass die Gebühr bei Rücksendungen nicht zurückgezahlt wird.

Ein Zusteller, von hinten gesehen, trägt einen Karton über einen Gehweg mit pastellfarbenen Wohnhäusern, Fahrrädern und Herbstlaub.

Warum die EU günstige Pakete ins Visier nimmt

Die Temu-Shein-Gebühr ist eine Antwort auf die große Zahl kleiner Sendungen. Laut The Local kamen 2025 rund 5,9 Milliarden kleine Pakete in die EU, etwa viermal so viele wie 2022. The Local und The Brussels Times berichten beide, dass mehr als 90 Prozent davon aus China stammen, ein großer Teil verkauft über Shein, Temu und AliExpress. Brüssel erklärt, der Zoll könne nicht jedes Paket kontrollieren, sodass unsichere und gefälschte Produkte durchrutschen und europäische Händler einem Wettbewerb ausgesetzt sind, den sie für unfair halten.

Der Zoll vom Juli hat den Markt bereits verändert. The Brussels Times und The Local berichten beide, dass der Strom kleiner Pakete seit Einführung der 3-Euro-Abgabe um rund 64 Prozent zurückgegangen ist, wobei die EU erklärt, es sei noch zu früh, um die dauerhafte Wirkung zu beurteilen. In Deutschland teilte der Onlinehandelsverband BEVH mit, dass der Umsatz der drei großen asiatischen Plattformen im dritten Quartal 2026 um 35,5 Prozent gesunken sei, wie t3n berichtet. Die Sicherheitsbedenken bleiben: Tests des BEUC ergaben, dass 69 Prozent der über Temu und Shein eingeführten Produkte nicht den EU-Sicherheitsstandards entsprachen, so The Brussels Times.

Was die Temu-Shein-Gebühr für Expats bedeutet

Für viele Ausländer in Deutschland werden sich die Folgen weniger bei billigen Gadgets bemerkbar machen als bei Bestellungen aus der Heimat. Bücher aus einem britischen Shop, Kleidung einer amerikanischen Marke, Lebensmittel aus der Türkei oder Geschenke, die bei einem Shop in der Ukraine bestellt werden, kommen alle von außerhalb der EU und fallen nach den offiziellen Hinweisen aus Estland und Irland in der Regel unter die Temu-Shein-Gebühr. GIGA weist darauf hin, dass es anders als beim Zoll auch keine Ausnahmen für Länder wie die Schweiz oder Norwegen gibt.

Käufer können einiges tun, um die Kosten zu begrenzen. Da die Gebühr pro Position und nicht pro Bestellung berechnet wird, sollten Sie identische Artikel in einer Bestellung bündeln, statt viele verschiedene Produkte zu kaufen, und vor dem Bezahlen den Endpreis an der Kasse prüfen, einschließlich Versand- und Servicegebühren. Schauen Sie in die AGB oder das Impressum eines Shops, um zu sehen, von wo die Waren tatsächlich verschickt werden, denn ein Preis in Euro oder eine deutschsprachige Website beweist nicht, dass der Verkäufer in der EU sitzt. Waren, die aus Lagern innerhalb der EU verschickt werden, die Temu und Shein inzwischen für Teile ihres Sortiments anbieten, unterliegen laut The Local nicht der Gebühr. Unser früherer Bericht über die 3-Euro-Paketgebühr erklärt, wie der Zoll vom Juli funktioniert, und unsere Berichterstattung über die EU-Strafe gegen AliExpress zeigt, wie Brüssel die Kontrolle der Plattformen insgesamt verschärft.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

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