Deutsche Wirtschaft wächst um 0,2 %, Jobs hinken hinterher
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Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer etwas stärker gewachsen als erwartet, doch auf dem Arbeitsmarkt kommt davon bisher nichts an. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, preis-, saison- und kalenderbereinigt, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag, dem 30. Oktober, mitteilte. Prognosen waren von einem Wachstum von 0,1 Prozent ausgegangen. Am selben Morgen meldete die Bundesagentur für Arbeit (BA), dass im Oktober 2.955.000 Menschen arbeitslos gemeldet waren, 44.000 mehr als ein Jahr zuvor.
Zusammen zeichnen die Veröffentlichungen das Bild einer deutschen Wirtschaft, die sich langsam erholt, während Arbeitgeber bei Neueinstellungen zurückhaltend bleiben. Für Arbeitsuchende bedeutet das, dass noch eine Weile Geduld gefragt ist.
Deutsche Wirtschaft wächst das dritte Quartal in Folge
Im Vergleich zum dritten Quartal 2025 lag das preisbereinigte BIP um 1,3 Prozent höher, kalenderbereinigt um 1,2 Prozent. Destatis bestätigte seine früheren Zahlen für das erste Halbjahr unverändert, mit einem Wachstum von 0,4 Prozent im ersten und 0,3 Prozent im zweiten Quartal. Damit ist die deutsche Wirtschaft nun drei Quartale in Folge gewachsen, nach einer langen Phase mit schwachem oder gar keinem Wachstum.
Nach den vorläufigen Daten stiegen die privaten und staatlichen Konsumausgaben leicht und stützten das Ergebnis. Die Investitionen gingen dagegen zurück. Die Exporte, die im ersten Halbjahr kräftig gewachsen waren, verloren im Sommer deutlich an Schwung. Genaue Zahlen zu den einzelnen Komponenten hat Destatis noch nicht veröffentlicht; detaillierte Ergebnisse folgen am 25. November.
Finanzpaket stützt das Wachstum
Ökonomen führen einen Großteil des Wachstums auf das schuldenfinanzierte Finanzpaket der Bundesregierung zurück. Ohne diesen künstlich erzeugten Schub wäre die Wirtschaftsleistung wohl auf der Stelle getreten, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger dem ZDFheute. Er warnte, dass der Effekt kaum über 2027 hinaus anhalten werde, wenn das Geld nicht in Investitionen fließe, die das langfristige Wachstum stärken.
Im Sommer gab es zudem Hindernisse. Niedrige Pegelstände am Rhein erschwerten die Binnenschifffahrt und belasteten die Chemie- und Stahlindustrie, berichtete ZDFheute, doch der von manchen befürchtete Rückgang blieb aus. Unser Bericht über Rhein-Niedrigwasser und Frachtkosten erklärt, wie sich das auf Unternehmen ausgewirkt hat. Laut ZDFheute hat sich die vom ifo Institut gemessene Stimmung in der Wirtschaft sechs Monate in Folge verbessert, die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 1,3 Prozent angehoben, und das ifo erwartet 1,4 Prozent. Ökonomen rechnen mit einem stärkeren vierten Quartal.

Arbeitslosigkeit bleibt nahe 3 Millionen
Die übliche Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt fiel in diesem Jahr schwach aus. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen sank gegenüber September um 40.000 auf 2.955.000, die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zurück. Bereinigt um saisonale Effekte stieg die Arbeitslosigkeit jedoch um 4.000. "Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Oktober fällt vergleichsweise schwach aus", sagte BA-Chefin Andrea Nahles bei der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg.
Andere Kennzahlen zeigen ein ähnliches Bild. Unternehmen meldeten der Agentur 654.000 offene Stellen, 31.000 mehr als vor einem Jahr, aber immer noch ein Niveau, das Nahles als niedrig bezeichnete. Rund 1.065.000 Menschen bezogen Arbeitslosengeld, die Versicherungsleistung bei Arbeitslosigkeit, das sind 88.000 mehr als im Oktober 2025. Die Unterbeschäftigung, ein breiteres Maß, das auch Menschen in Fördermaßnahmen und ähnlichen Programmen erfasst, lag bei 3.592.000. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse war im August um 45.000 niedriger als ein Jahr zuvor.
Warum Jobs der deutschen Wirtschaft hinterherhinken
Laut Reuters sagte Nahles, der Arbeitsmarkt reagiere auf eine wirtschaftliche Erholung in der Regel mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten, und es sei noch nicht klar, ob der aktuelle Aufschwung stabil und selbsttragend sei. Sie sei bei Prognosen zu einer Trendwende etwas vorsichtig geworden. Nach Einschätzung der Agentur selbst ist die Konjunktur noch nicht stark genug, um eine Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt herbeizuführen.
Dennoch gibt es einige Anzeichen dafür, dass sich die deutsche Wirtschaft beim Thema Arbeitsplätze stabilisiert. Die Kurzarbeit, mit der Unternehmen in einem Abschwung Arbeitszeit statt Stellen abbauen, geht zurück: Rund 98.000 Beschäftigte erhielten im August konjunkturelles Kurzarbeitergeld, etwa 66.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die von Destatis nach der internationalen Definition der ILO berechnete Erwerbslosenquote, die Menschen anders zählt als die nationale Statistik der registrierten Arbeitslosen, lag im September bei 4,1 Prozent.

Was das für Arbeitsuchende und Expats bedeutet
Die Zahlen ergeben ein gemischtes Bild für Ausländer, die Arbeit suchen. Es gibt mehr offene Stellen als vor einem Jahr, aber auch mehr Arbeitslose, sodass der Wettbewerb um viele Jobs groß bleibt. Auch die Krise in der Industrie ist noch nicht vorbei, weshalb viele Hersteller bei Neueinstellungen vorsichtig bleiben. Unser früherer Bericht über mehr als 3 Millionen Arbeitslose liefert weitere Hintergründe zur Entwicklung.
Wer damit rechnet, dass sein Arbeitsverhältnis endet, muss sich spätestens drei Monate vor Vertragsende bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden, oder innerhalb von drei Tagen, nachdem er davon erfahren hat, wenn die Frist kürzer ist. Wer diese Frist versäumt, riskiert eine einwöchige Sperre der Leistungen (Sperrzeit). Arbeitslosengeld setzt in der Regel voraus, dass man innerhalb der letzten 30 Monate mindestens 12 Monate in einer arbeitslosenversicherten Beschäftigung war, wobei es einige Ausnahmen gibt. Es beträgt 60 Prozent des von der Agentur berechneten Nettoentgelts, oder 67 Prozent für Menschen mit mindestens einem Kind, und wird bei Menschen unter 50 je nach Versicherungsdauer bis zu 12 Monate lang gezahlt. Unser Ratgeber zum Arbeitslosengeld erklärt die Einzelheiten.
Nicht-EU-Bürger, deren Aufenthaltstitel an ihren Job gebunden ist, sollten sich nach dem Verlust der Stelle außerdem zügig an die Ausländerbehörde wenden. Ein Jobverlust beendet einen Aufenthaltstitel nicht automatisch, doch die Zeit, die für die Suche nach einer neuen Arbeit bleibt, ist unterschiedlich lang. Daher ist es besser, die Lage frühzeitig zu klären, statt auf den nächsten Termin zu warten.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.



