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China-Spionageprozess beginnt in Dresden

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Der China-Spionageprozess, der diese Woche in Dresden begann, begann mit einer Verhaftung, die schon filmreif wirkte. An einem Aprilmorgen im Jahr 2024 nahmen Ermittler den 44-jährigen deutsch-chinesischen Staatsbürger Jian G. in seiner Wohnung fest, nur wenige Stunden nachdem er die Fragen eines Reporters zu Spionagevorwürfen an den sächsischen Inlandsgeheimdienst weitergeleitet hatte. Diese schnelle Reaktion, so die Staatsanwaltschaft, spiegele eine mehr als zwei Jahrzehnte alte Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden wider.

Fünfzehn Monate später erschien Jian G., flankiert von Beamten und in einem schlichten grauen Pullover, vor dem Oberlandesgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von 2002 bis 2024 politische, wirtschaftliche und militärische Geheimnisse an chinesische Geheimdienstoffiziere weitergegeben zu haben. In der Anklageschrift heißt es, er habe durch seine Tätigkeit für den rechtsextremen Politiker Maximilian Krah im Europaparlament Zugang zu mehr als 500 sensiblen Dokumenten erhalten - elf davon seien als „besonders vertraulich“ eingestuft.

Die Vorwürfe erstrecken sich über zwei Jahrzehnte

Laut Bundesanwaltschaft begann Jian G. bereits 2002, also Jahre vor seiner Anstellung in Brüssel, mit dem chinesischen Geheimdienst zu kooperieren. Die Akte belegt einen stetigen Informationsfluss: interne Debatten zur Handelspolitik, Resolutionsentwürfe zu Menschenrechtssanktionen und sogar Gerüchte über hochrangige Persönlichkeiten der Alternative für Deutschland (AfD) wie Alice Weidel und Tino Chrupalla. Ermittlern zufolge gab er die Namen in Deutschland lebender chinesischer Dissidenten und Details zur Spendensammlung der AfD preis, deren Bekanntwerden die Partei in Verlegenheit gebracht hätte.

Wichtige Beweise sind beschlagnahmte Laptops, verschlüsselte USB-Sticks und Mitschnitte von Gesprächen in Jian G.s Mercedes. In einem abgehörten Chat mit einem mutmaßlichen chinesischen Agenten soll er geschildert haben, wie er - wie die Staatsanwaltschaft es formulierte - „im Dunkeln lebte“, und damit geprahlt haben, Zugang zu hochrangigen Parlamentsdaten zu haben. Sollte das Gericht diese Mitschnitte als echt anerkennen, könnte der Prozess um die chinesische Spionage zu einem richtungsweisenden Fall für ausländische Einmischung in EU-Institutionen werden.

Von Parlamentskorridoren zu Militärflughäfen

Laut Staatsanwaltschaft weitete sich das Komplott aus, nachdem Jian G. Hand in Hand mit Jaqi X, einem Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle, zusammengearbeitet hatte. Ab Mitte 2023 soll sie ihm Flugpläne, Frachtlisten und Passagierlisten für Rheinmetall-Charterflüge mit gepanzerten Fahrzeugen und israelischen Drohnen über Sachsen geliefert haben. Die Ermittler stellten außerdem Fotos von Bundeswehrkonvois, Aufzeichnungen über radioaktive Transporte und E-Mails über gepanzerte Toyotas mit Ziel Tel Aviv sicher.

Vor Gericht bestätigte Jaqi X. die Datenübergabe, betonte aber, sie glaube, Jian G. setze sich für engere deutsch-chinesische Beziehungen ein. Die beiden hatten sich 2015 über die Messaging-App WeChat kennengelernt und waren kurzzeitig ein Paar. Obwohl sie Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas ist, erklärte sie den Richtern, sie sei „nicht an Politik interessiert“ und bezeichnete ihr Handeln als Gefallen eines Freundes, der sich für eine reibungslosere Flughafenlogistik einzusetzen schien.

Verteidigungsstrategie und Gerichtssaalatmosphäre

Jian G. plädierte auf nicht schuldig. Sein Anwalt argumentiert, informelle Kontakte mit chinesischen Beamten seien kein Beweis für Spionage und bezeichnet die Anklage als politisch motiviert. Die Verteidigung behauptet, der Angeklagte habe Außenhandelstreffen für den Europaabgeordneten Krah organisiert, und einige seiner Gesprächspartner hätten „zufällig“ für den Geheimdienst gearbeitet, ohne sein Wissen oder seine Zustimmung.

Beobachter berichten von einer angespannten, aber zurückhaltenden Stimmung im Gerichtssaal. Während der Eröffnungsrede saß der Angeklagte fast regungslos da und verschränkte zeitweise die Hände hinter dem Rücken. Reportern zufolge trug er bis zum Ende des Kamerabetriebs eine OP-Maske. Dies unterstreicht die Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem bedeutendsten Prozess gegen China-Spionage in Deutschland seit Jahren.

Politische Schockwellen für die AfD

Die AfD, die bereits wegen mutmaßlicher russischer Einflussnahme unter Beobachtung steht, sieht sich nun neuen Turbulenzen ausgesetzt. Maximilian Krah gab im Februar seinen Sitz im Europaparlament auf, nachdem er ein Direktmandat für den Bundestag gewonnen hatte. Gegen ihn wird jedoch weiterhin wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Bestechung im Zusammenhang mit Unternehmen ermittelt, die mit Jian G. in Verbindung stehen. Die AfD-Führung gibt an, keine sensiblen Enthüllungen autorisiert zu haben. Interne Kritiker befürchten jedoch, dass weitere Enthüllungen der Partei vor den Landtagswahlen in Sachsen im Herbst schaden könnten.

Bundesanwalt Stephan Morweiser bezeichnet den Fall als „besonders schwerwiegend“. Er zeige, wie chinesische Geheimdienste die deutsche Innenpolitik, den EU-Gesetzgebungsprozess und militärische Lieferketten ins Visier nehmen. Sollten die Richter auch nur einen Teil der Anklage bestätigen, könnte Berlin unter Druck geraten, die Sicherheitsüberprüfungen für parlamentarische Mitarbeiter zu verschärfen.

Verhandlungskalender und mögliche Ergebnisse

Bis Ende September sind dreizehn Verhandlungstage angesetzt. Sofern es nicht zu Verzögerungen kommt, werden die Urteile kurz darauf erwartet. Das Gericht muss die Ergebnisse der digitalen Forensik gegen die Behauptung der Verteidigung abwägen, die Kontakte seien harmlos gewesen. Sollte Jian G. der Weitergabe geheimen Materials schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft; Jaqi X. könnte wegen Beihilfe eine kürzere Haftstrafe erhalten.

Unabhängig vom Ausgang des Prozesses unterstreichen Rechtsexperten die wachsende Besorgnis in Europa, dass ausländische Dienste private Mitarbeiter, Holztransportunternehmen und sogar Liebesbeziehungen ausnutzen, um die Sicherheitsbarrieren des Kontinents zu durchbrechen. Deutsche Abgeordnete fordern bereits strengere Zugangsregeln zu Flughafendatenbanken und eine erneute Prüfung der parlamentarischen IT-Systeme.

Spionageprozess in China wirft Schlagzeilen über Bedrohungen für Geheimdienste

Sicherheitsdienste warnen, dass der in Dresden aufgedeckte mutmaßliche Kanal nur ein Teil eines größeren Netzwerks sein könnte. Ermittler verweisen auf Hinweise darauf, dass chinesische Agenten nicht nur Truppenbewegungen der Bundeswehr, sondern auch Lieferrouten für israelische Waffen ausspionierten. Dies zeugt von einem bündnisübergreifenden Informationshunger. Der Fall zeigt zudem, wie Regionalflughäfen - oft als leichte Ziele betrachtet - strategische Daten liefern können, wenn sie mit politischen Insidern in Verbindung gebracht werden.

Europäische Spionageabwehrspezialisten werden den Dresdner Gerichtssaal aufmerksam beobachten. Eine Verurteilung wäre ein starker Präzedenzfall für die Verfolgung langjähriger Einflussoperationen und könnte andere EU-Hauptstädte ermutigen, gegen verdeckt agierende Akteure vorzugehen, die unter dem Deckmantel von Handelsbüros, Kulturinstituten oder Logistikunternehmen agieren.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

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