Berlin will das Gesetz zur sauberen Küche abschaffen - aufgrund von Personalmangel und Branchendruck
3 Min. Lesezeit

Umstrittener Vorschlag zielt auf Abschaffung des „Saubere-Küchen-Gesetzes“ ab
Die Berliner Landesregierung bereitet die Aufhebung des „Saubere-Küchen-Gesetzes“ vor. Das Gesetz sollte die Hygienebedingungen in Restaurants, Bäckereien und Imbissen durch ein Ampelsystem öffentlich sichtbar machen. Der von der Berliner Justizverwaltung unter CDU-Senator Felor Badenberg eingebrachte Gesetzesentwurf würde sowohl das Gesetz als auch die dazugehörige Verordnung formal abschaffen. Dieser Schritt folgte einer monatelangen behördlichen Prüfung und steht nun bis Mitte Juni zur Stellungnahme von Branchenverbänden offen.
Das Gesetz, offiziell bekannt als Lebensmittelkontrolltransparenzgesetz, trat Anfang 2023 in Kraft, nachdem es 2021 unter der ehemaligen rot-rot-grünen Berliner Koalition verabschiedet worden war. Es verpflichtete die Gesundheitsämter der Bezirke, die Ergebnisse der Hygienekontrollen zu veröffentlichen, und Lebensmittelunternehmen mussten an ihren Eingängen ein farbiges Bewertungsbarometer anbringen.
Bei der Umsetzung fehlten die Ressourcen, die Auswirkungen blieben minimal
Trotz seiner ehrgeizigen Ziele wurde das Gesetz kaum umgesetzt. Im gesamten Jahr 2023 wurden laut Foodwatch-Daten nur drei Inspektionsergebnisse stadtweit veröffentlicht. Einige Bezirke führten aufgrund anhaltenden Personalmangels nur 7 % ihrer Routineinspektionen durch. Die Behörden argumentieren, dass das Gesetz Ressourcen erforderte, die die Kapazitäten der lokalen Abteilungen weit überstiegen.
Das Justizministerium behauptet nun, die Aufhebung des Gesetzes würde die überlasteten Berliner Kontrollteams entlasten. Ein Sprecher erklärte, die meisten Aufgaben im Zusammenhang mit der Lebensmittelsicherheit seien bereits durch Bundes- und EU-Recht vorgeschrieben, was die Berliner Regelung überflüssig und unnötig belastend mache. Obwohl der zusätzliche Arbeitsaufwand durch das Gesetz offiziell als „relativ gering“ bezeichnet wurde, galt er angesichts der knappen Haushaltsmittel dennoch als nicht zwingend erforderlich.
Geteilte Reaktionen: Industrie applaudiert, Aufsichtsbehörden alarmiert
Die Gastronomie begrüßte die Aufhebung. Der Berliner Landesverband des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) unterstützte die Entscheidung mit der Begründung, dass Deutschland bereits hohe Standards in der Lebensmittelsicherheit habe und das zusätzliche Transparenzsystem kleine Unternehmen ungerechtfertigt bürokratisch belaste. Laut Dehoga seien Betreiber bereits jetzt verpflichtet, strenge Lebensmittelhygienevorschriften einzuhalten, ohne dass es zusätzliche lokale Auflagen gebe.
Verbraucherschutzorganisationen lehnten die Rücknahme jedoch entschieden ab. Foodwatch verurteilte den Vorschlag als „Geschenk an die Restaurantlobby“ und warf der Regierung vor, öffentliche Rechte zugunsten wirtschaftlicher Interessen zu untergraben. Rauna Bindewald von Foodwatch bezeichnete die Abschaffung des Hygienebarometers als „Segen für schmutzige Betriebe“ und bezeichnete die Entscheidung als Rückschlag für Transparenz und Bürgerbeteiligung.
Die Transparenzinitiative wurde international gelobt. Organisationen verwiesen auf das dänische Smiley-System als erfolgreiches Beispiel. Dort führte ein ähnliches öffentliches Bewertungssystem innerhalb weniger Jahre zu einer deutlichen Reduzierung von Gesundheitsverstößen, ohne die Behörden zu überlasten.
Bürokratie oder Rechenschaftspflicht? Debatte in Berlin geht weiter
Die offizielle Begründung des Justizministeriums konzentriert sich auf die operativen Kapazitäten. Senatorin Badenberg erklärte, das Gesetz sei zu bürokratisch und habe wenig praktischen Nutzen für die Verbesserung der Lebensmittelsicherheit. Sie betonte, wie wichtig es sei, einen optimierten Aufsichtsrahmen zu schaffen, der den lokalen Personal- und Logistikgegebenheiten entspricht. Nach Angaben ihres Büros wurden rund 14 Stellen für die Umsetzung des Gesetzes bereitgestellt; diese Stellen werden nicht abgebaut, sondern für andere Inspektionsaufgaben eingesetzt.
Kritiker argumentieren jedoch, dass eine wirksame Kontrolle auf Transparenz angewiesen sei. Sie warnen, dass die Abschaffung des Hygienebarometers eine Ebene der Verantwortlichkeit entferne, die Unternehmen dazu anhielt, hohe Standards einzuhalten, insbesondere wenn eine öffentliche Offenlegung möglich war.
Die Debatte spiegelt ein allgemeines Spannungsfeld in der Politik wider: die Abwägung von Regulierungseffizienz und öffentlichem Interesse. Während die Regierung die Notwendigkeit betont, Bürokratie abzubauen und den Druck auf lokale Behörden zu verringern, warnen Aufsichtsbehörden, dass Transparenz nicht als erstes Opfer von Haushaltsanpassungen sein sollte.
Nächste Schritte: Das Gesetz steht vor einem formellen Überprüfungsprozess
Das Justizministerium hat den Aufhebungsentwurf dem Berliner Abgeordnetenhaus formell vorgelegt. Eine Konsultationsphase mit betroffenen Interessengruppen, darunter Unternehmen und Interessenverbände, läuft derzeit und soll Mitte Juni abgeschlossen sein.
Bis dahin ist die Zukunft des Hygienetransparenzgesetzes ungewiss. Angesichts der politischen Unterstützung der regierenden CDU und weit verbreiteter Vorwürfe einer administrativen Überlastung erscheint eine Aufhebung jedoch wahrscheinlich, sofern nicht erhebliche Opposition das Ergebnis des Gesetzes beeinflusst.
Während Berlin Effizienz gegen Transparenz abwägt, werden die kommenden Wochen zeigen, ob der öffentliche Zugang zu Hygienebewertungen in Restaurants ein kurzlebiges Experiment bleibt oder zu einem dauerhaften Bestandteil der Stadtverwaltung wird.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.



