Am späten Samstagabend evakuierten die Hamburger Behörden Teile des belebten Vergnügungsviertels Sternschanze, nachdem dort eine nicht explodierte Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden war. Die 500-Pfund-Bombe war bei routinemäßigen Bauarbeiten auf dem Gelände einer Grundschule gefunden worden, etwa sechs Meter unter der Erde vergraben. Der Vorfall führte zu einer groß angelegten Notfallreaktion, bei der mehr als 5,000 Anwohner aus der Umgebung evakuiert wurden.
Rettungsdienste, darunter Feuerwehr und Polizei, riegelten umgehend eine Sperrzone von 300 Metern ab und gaben zusätzlich eine Warnung im Umkreis von 500 Metern heraus, die die Menschen dazu aufforderte, in ihren Häusern zu bleiben und sich von Fenstern und Türen fernzuhalten. Restaurants, Bars und sogar eine Hochzeitsfeier im Bezirk wurden während der Räumung des Gebiets unterbrochen.
Bombenentschärfungsoperation
Spezialisierte Kampfmittelräumungseinheiten wurden zum Ort des Geschehens entsandt und nach mehreren Stunden sorgfältiger Vorbereitung konnte die Bombe gegen Mitternacht erfolgreich entschärft werden. Nach Angaben der Hamburger Feuerwehr dauerte die eigentliche Entschärfung nur 30 Minuten und verlief ohne Komplikationen.
Diese Entdeckung ist Teil eines weit verbreiteten Phänomens in Deutschland, wo noch immer auf Baustellen nicht explodierte Bomben aus alliierten Bombenangriffen aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden. In Hamburg, einer Stadt, die während des Krieges schwer bombardiert wurde, sind derartige Vorfälle keine Seltenheit. Im ganzen Land werden routinemäßig Bomben entsorgt.
Verkehrs- und öffentliche Störungen
Der Fund der Bombe führte außerdem zu erheblichen Störungen im öffentlichen Nahverkehr und im Nahverkehr. Der S-Bahnhof Sternschanze, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Gegend, befand sich innerhalb der evakuierten Zone, sodass der Zugverkehr zwischen mehreren Stationen eingestellt werden musste. Auch der U-Bahnverkehr der Stadt war von Störungen betroffen, da wichtige Stationen während der Evakuierung umgangen wurden. Von der Polizei errichtete Straßensperren führten zu Verkehrsstaus, insbesondere rund um die Hauptstraßen des Bezirks.
In einer nahegelegenen Turnhalle wurde eine Notunterkunft für die Vertriebenen eingerichtet. Etwa 220 Menschen nutzten die Notunterkunft, während andere in nahegelegenen Restaurants oder bei Freunden Zuflucht suchten, um die Entschärfungsaktion abzuwarten. Shuttlebusse wurden bereitgestellt, um die Bewohner zur Notunterkunft zu transportieren.
Hochsicherheitsevakuierung
Die Evakuierung wurde dadurch erschwert, dass sich am Rande der Sperrzone ein Pflegeheim befand. Um die sichere Evakuierung der älteren Bewohner zu gewährleisten, wurden besondere Vorkehrungen getroffen, was zu den stundenlangen Einsätzen beitrug. Die Rettungskräfte arbeiteten den ganzen Abend lang daran, sicherzustellen, dass alle Bewohner sicher aus der Gefahrenzone waren, bevor die Bombenentschärfungsexperten mit ihrer Arbeit begannen.
Auswirkungen auf das Leben vor Ort
Hamburgs Sternschanze ist vor allem am Wochenende ein lebendiger Stadtteil. Einheimische und Touristen strömen in die Bars, Restaurants und Kultureinrichtungen. Wegen der Bombendrohung mussten viele Geschäfte früher schließen, und die Polizei forderte die Menschen auf, umzukehren.
Sogar eine Hochzeitsfeier war betroffen. Im Zuge der Evakuierungsmaßnahmen wurden die Gäste gebeten, den Veranstaltungsort zu verlassen. Einige Veranstaltungen, wie etwa im örtlichen Kulturzentrum Rote Flora, wurden vorsorglich abgesagt, obwohl der Veranstaltungsort selbst außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone lag.
Bombenfunde aus dem Zweiten Weltkrieg: In Deutschland keine Seltenheit
Deutschland hat eine lange Tradition im Umgang mit den Überresten des Zweiten Weltkriegs, insbesondere nicht explodierten Bomben. Tausende von Munitionsresten sind im ganzen Land vergraben und wurden oft bei Bau- oder Landarbeiten entdeckt. Bombenräumungsteams sind bestens ausgebildet und entschärfen diese Sprengstoffe regelmäßig, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und möglichst wenig Störungen zu verursachen.
Nur einen Tag vor dem Hamburger Zwischenfall hatte ein ähnlicher Fund in Köln eine weitere große Evakuierung ausgelöst. Damals wurde eine Bombe amerikanischer Produktion kontrolliert gezündet, nachdem zuvor Wohnhäuser und Kliniken geräumt worden waren.
Das schnelle Eingreifen der Hamburger Behörden und die reibungslose Abwicklung der Bombenentschärfung trugen dazu bei, dass niemand zu Schaden kam. Die Bewohner durften kurz nach der Entschärfung der Bombe in ihre Häuser zurückkehren und der öffentliche Nahverkehr konnte am frühen Sonntagmorgen schrittweise wieder aufgenommen werden.
