Günstiges Online-Shopping von außerhalb der Europäischen Union wird jetzt teurer. Ab dem 1. Juli 2026 hat die EU die langjährige Zollfreigrenze von 150 Euro abgeschafft und eine neue Paketgebühr von etwa 3 Euro für Artikel von Nicht-EU-Händlern wie Temu, Shein und AliExpress eingeführt. Die Änderung klingt geringfügig, doch für alle, die in Deutschland leben und regelmäßig günstige Artikel von diesen Plattformen bestellen, können sich die neuen Gebühren schnell summieren und in manchen Fällen aus einem Schnäppchen einen normalen Preis machen.
So funktioniert die neue Paketgebühr
Bislang konnten Sendungen unter 150 Euro zollfrei in die EU eingeführt werden. Diese sogenannte Bagatellgrenze ist nun aufgehoben. Wie GameStar berichtet, wird stattdessen eine Pauschalgebühr von 3 Euro pro Warenart für günstige Pakete aus Nicht-EU-Ländern erhoben. Der Haken dabei ist die Formulierung „Art“, denn die Gebühr wird pro Artikelkategorie in einer Sendung berechnet, nicht pro Paket.
Diese Unterscheidung ist bedeutsamer, als es zunächst scheint. Wie Biallo erklärte, fallen drei Euro nicht pro Paket, sondern pro Artikelart in der Sendung an. Eine Bestellung mit verschiedenen Produktarten wird daher mehrfach berechnet. Ein Paket mit fünf verschiedenen Artikeln kann somit 15 Euro Gebühren verursachen, anstatt der von vielen Kunden erwarteten 3 Euro. Aus diesem Grund hat die Gestaltung dieser Paketgebühr so viel Aufmerksamkeit erregt.
Warum aus 3 Euro 15 werden können
Die genannte Zahl ist nur der Anfang. Zusätzlich zur Paketgebühr müssen Käufer noch die Einfuhrumsatzsteuer entrichten, die je nach Produkt zwischen 7 und 19 Prozent liegt. Außerdem erhebt der Versanddienstleister eine Bearbeitungsgebühr. Biallo merkte an, dass diese Gebühr bei der Deutschen Post und DHL derzeit bei rund 7.50 Euro pro Paket liegt und ab dem 1. November 2026 eine weitere Bearbeitungsgebühr eingeführt wird.
Zusammengenommen verändern diese Kosten das Bild völlig. Biallo veranschaulichte, wie eine Zollgebühr von 3 Euro durch Bearbeitungsgebühren und andere Kosten effektiv auf rund 15 Euro ansteigen kann. TechBook zitierte Berliner Verbraucherberater, die berechneten, dass ein Artikel im Wert von 7 Euro am Ende fast 20 Euro kosten kann, wenn alle Gebühren hinzugerechnet werden. Bei Produkten, die nur aufgrund ihres extrem niedrigen Preises attraktiv waren, kann diese Differenz die Ersparnis vollständig zunichtemachen.

Welche Geschäfte sind von der Paketgebühr betroffen?
Die Maßnahme zielt direkt auf die großen Online-Marktplätze ab, die täglich Millionen kleiner Pakete nach Europa versenden. GameStar und TechBook nannten Temu, Shein und AliExpress als die Hauptbetroffenen, da deren Geschäftsmodell auf sehr niedrigen Preisen und Direktlieferungen von außerhalb der EU basiert. Waren von Händlern mit Sitz in der EU sind von dieser Paketgebühr nicht betroffen.
Die Änderung ist teils um Umsatzerlöse, teils um Fairness begründet. Europäische Einzelhändler argumentieren seit Langem, dass die alte Ausnahmeregelung Händlern außerhalb der EU einen Vorteil verschaffte, da deren kleine Pakete von Zöllen befreit waren, die inländische und EU-Konkurrenten in ihre Preise einkalkulieren mussten. Die Regelungen werden zudem als Übergangsregelung bezeichnet. Laut WinFuture und GameStar dient die derzeitige Pauschalgebühr als Brücke bis 2028, wenn voraussichtlich ab dem ersten Euro Standardzölle für Pakete gelten werden.
Was das für Ausländer in Deutschland bedeutet
Wenn Sie regelmäßig bei Temu, Shein oder AliExpress bestellen, lohnt es sich, Ihre Einkaufsgewohnheiten zu ändern, anstatt einfach mehr zu bezahlen. Da die Versandkosten pro Warenart berechnet werden, können Sie die Kosten senken, indem Sie ähnliche Artikel in einer Kategorie zusammenfassen und gemischte Warenkörbe vermeiden. Wenn Sie den Gesamtpreis inklusive Mehrwertsteuer und Bearbeitungsgebühren vor dem Bezahlen berechnen, vermeiden Sie unangenehme Überraschungen an der Haustür.
Bei vielen alltäglichen Einkäufen kann ein Händler mit Sitz in der EU nach Abzug aller Gebühren mittlerweile günstiger sein, daher lohnt sich ein Vergleich. Die Einplanung dieser zusätzlichen Kosten ist Teil der gesamten Lebenshaltungskosten hier, und unser Überblick über den Alltag in welivein.de/how-to-germany kann Ihnen bei der Planung helfen. Die Schnäppchenjagd-Gewohnheiten, die vor Juli 2026 funktionierten, sind nicht mehr so effektiv wie heute.
