Startseite NachrichtenNeues Heizungsgesetz kippt 65%-Regel für erneuerbare Energien

Neues Heizungsgesetz kippt 65%-Regel für erneuerbare Energien

by WeLiveInDE
0 Kommentare
Dächer und Heizungsanlagen an Wohnhäusern in einer deutschen Stadt im warmen Nachmittagslicht.

Deutschland hat ein neues Heizungsgesetz. Am 10. Juli 2026 verabschiedete der Bundestag das Gebäudemodernisierungsgesetz, ein Gebäudeenergiegesetz, das das viel diskutierte Gebäudeenergiegesetz (GEG), besser bekannt als Heizungsgesetz, ersetzt. Die auffälligste Änderung ist die Aufhebung der Vorschrift, dass jede neu installierte Heizungsanlage zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben werden musste. Für Ausländer, die in Deutschland eine Wohnung oder ein Haus besitzen oder mieten, ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten und Kosten für die Beheizung ihrer Immobilie.

Was das neue Heizungsgesetz ändert

Das alte, unter der Vorgängerregierung eingeführte GEG knüpfte neue Heizsysteme an eine strikte Quote für erneuerbare Energien. Diese Regelung wird durch das neue Heizgesetz aufgehoben. Das Handelsblatt berichtete, dass der Bundestag dem Gesetzentwurf am letzten Sitzungstag vor der Sommerpause mit 322 zu 272 Stimmen zugestimmt hat und dass die bisherige Quote von 65 Prozent erneuerbarer Energien zugunsten der sogenannten Technologiewahl gestrichen wurde.

Konkret bedeutet dies, dass Hausbesitzer wieder die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, wie sie heizen. Wärmepumpen, Fernwärmeanschlüsse, Gas- und Ölheizungen sind wieder erlaubt. Das ZDFheute merkte an, dass die umstrittene Vorgabe von 65 Prozent erneuerbarer Energien gestrichen wurde und neue Gas- und Ölheizungen wieder zugelassen sind. Damit wird die strengere Politik der Vorgängerregierung revidiert.

Ein Gasheizkessel mit Rohren und Ventilen in einem Hauswirtschaftsraum im Keller eines Wohnhauses.

Gas- und Ölheizungen bleiben legal, aber nicht für immer

Die Kehrtwende bedeutet nicht, dass fossile Heizsysteme uneingeschränkt genutzt werden können. Das Gesetz hält an Deutschlands Ziel der Klimaneutralität bis 2045 fest, und die Heizbrennstoffe selbst müssen bis dahin klimaneutral sein. Auch wenn ein Haushalt jetzt eine Gas- oder Ölheizung installiert, wird sich der verwendete Brennstoff voraussichtlich in den kommenden zwei Jahrzehnten ändern.

Um diese Lücke zu schließen, sieht das Gesetz eine schrittweise Erhöhung der Beimischungsquote vor. Laut ZDFheute müssen ab 2029 neue Gas- und Ölheizungen einen steigenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe verbrennen, beginnend mit 10 Prozent und ansteigend auf 60 Prozent bis 2040. Kritiker, darunter Umweltgruppen, bezweifeln, ob ausreichend dieser Brennstoffe verfügbar sein werden und zu welchem ​​Preis, und einige haben angekündigt, das Gesetz möglicherweise vor Gericht anzufechten.

Was das für Vermieter und Mieter bedeutet

Das neue Heizungsgesetz soll verhindern, dass Vermieter die gesamten Kosten für fossile Brennstoffe auf die Mieter abwälzen. Ab 2028 muss ein Vermieter, der eine neue Gas- oder Ölheizung installiert, die Hälfte der anfallenden Netzentgelte, CO₂-Emissionen und Biokraftstoffzuschläge übernehmen, die andere Hälfte tragen die Mieter. Ziel ist es, Immobilieneigentümer dazu anzuregen, neben dem Kaufpreis auch die laufenden Kosten zu berücksichtigen, da in der Regel die Mieter die monatliche Energierechnung bezahlen.

Für die rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung, die zur Miete wohnt, ist dies ein wichtiger Punkt. Wenn Sie Mieter sind und Ihr Gebäude noch mit fossilen Brennstoffen beheizt wird, könnte die Aufteilung dieser zusätzlichen Kosten ab 2028 Ihre Nebenkosten – die zusätzlichen Betriebskosten, die zusammen mit der Miete abgerechnet werden – beeinflussen. Es ist ratsam zu verstehen, wie Heizkosten auf einer deutschen Energierechnung erscheinen, und unser Leitfaden zum Einleben hilft Ihnen dabei. welivein.de/how-to-germany ist ein nützlicher Ausgangspunkt.

Wie das neue Heizungsgesetz seine letzte Hürde überwand

Die Abstimmung wäre beinahe nicht planmäßig zustande gekommen. Am 9. Juli 2026 wies das Bundesverfassungsgericht Eilanträge von Mitgliedern der Grünen und der Linken zurück, die die Geschwindigkeit des Verfahrens beanstandet hatten. Laut „Tagesspiegel“ stellte das Gericht fest, dass die Antragsteller die Koalition nicht zuvor darüber informiert hatten, dass sie ihre Rechte verletzt sahen. Damit war das unmittelbare rechtliche Hindernis beseitigt und der Weg für die Parlamentsabstimmung frei.

Die Dringlichkeitsentscheidung klärte lediglich die Frage des Zeitpunkts, nicht aber den Inhalt des Gesetzes, und es ist zu erwarten, dass die Rechtsstreitigkeiten um die Heizungsvorschriften anhalten werden. Umweltorganisationen haben bereits die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde ins Spiel gebracht und argumentiert, dass ein weniger strenger Kurs bei den Heizungsvorschriften die deutschen Emissionsziele gefährden könnte.

Was das für Expats in Deutschland bedeutet

Als Hausbesitzer bietet Ihnen das neue Heizungsgesetz mehr Wahlmöglichkeiten und nimmt Ihnen den Druck, sofort eine Wärmepumpe einbauen zu müssen, sobald Ihr alter Heizkessel ausfällt. Der Wechsel von Gas- zu Ölheizung ist wieder legal, doch planen Sie die ab 2029 geltende Beimischungspflicht und das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 ein, denn auch ein heute gekauftes System wird noch in Betrieb sein, wenn die Brennstoffvorschriften verschärft werden. Es ist ratsam, sich vor einer endgültigen Entscheidung unabhängig energetisch beraten zu lassen.

Wenn Sie zur Miete wohnen, wirkt sich die Kostenbeteiligungsregelung ab 2028 am stärksten auf Ihr Budget aus. Achten Sie daher genau darauf, wie die Heiz- und CO₂-Kosten in Ihrer Jahresabrechnung aufgeführt sind. Unabhängig davon ist die Richtung auch nach der Rücknahme der alten Regelung klar: Die Heizung in Deutschland soll langfristig sauberer werden, nur eben langsamer und flexibler als es die alte GEG vorsah.

Das könnte Sie auch interessieren