„Made for Germany“ lautet die Überschrift einer Unternehmenszusage, die Stimmung in Taten umsetzen soll: 61 Unternehmen und Investoren wollen in den nächsten drei Jahren 631 Milliarden Euro für Projekte in Deutschland bereitstellen. Die Allianz, die am 21. Juli im Kanzleramt vorgestellt wurde, vereint Gruppen, die rund ein Drittel der deutschen Produktion erwirtschaften, und formuliert das klare Ziel, Wachstum zu steigern, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die technologische Führungsrolle auszubauen. Die Ankündigung trifft ein Land, das in das dritte Jahr ohne Wachstum geht und 38 die niedrigste Investitionsquote unter den 2024 OECD-Ländern verzeichnete. Die zentrale Frage ist, ob „Made for Germany“ dieses Muster ändern und private Investitionen nachhaltig ankurbeln kann.
Umfang und Mitgliedschaft bei Made for Germany
Die Liste „Made for Germany“ umfasst führende Unternehmen aus Industrie, Finanzwesen und Technologie: Airbus, BASF, BMW, Deutsche Börse, Mercedes-Benz, Rheinmetall, SAP und Volkswagen werden von internationalen Investoren und Technologieführern wie Nvidia, BlackRock und Blackstone ergänzt. Das Paket umfasst sowohl neue als auch bereits angekündigte Projekte. Führungskräfte argumentieren, dass die Bestätigung früherer Pläne, verbunden mit zusätzlichen Zusagen, Vertrauen signalisiere und Kapital für Anlagen, Maschinen, Ausrüstung sowie Forschung und Entwicklung in Deutschland sichere. Die Organisatoren erwarten, dass sich weitere Unternehmen anschließen werden, sobald die Verfahren geklärt und öffentliche Kofinanzierungslinien eröffnet werden.
Staatlicher Kontext hinter „Made for Germany“
Die neue Koalition aus CDU/CSU und SPD, die seit Anfang Mai im Amt ist, hat die wirtschaftliche Belebung ganz oben auf ihre Agenda gesetzt und diese Priorität mit „Made for Germany“ verknüpft. Das Parlament hat einen 500 Milliarden Euro schweren Sonderfonds zur Erneuerung von Verkehrsverbindungen, zum Ausbau der Stromnetze, zur Beschleunigung der Digitalisierung und zur Förderung der Forschung genehmigt. Eine Senkung der Strompreise für die Industrie ist geplant, und ein umfangreiches Steuerpaket wird in zwei Schritten geschnürt: sofortige, sehr großzügige Abschreibungen für Investitionen in Produktionsanlagen und Forschung und Entwicklung, gefolgt von einer mittelfristigen Senkung der Körperschaftsteuer. Die Regierung präsentiert die Unternehmensallianz und den öffentlichen Fonds als ergänzende Instrumente, um privates Geld zu mobilisieren und Projektlaufzeiten zu verkürzen.
Warum die Stimmung in Richtung „Made for Germany“ kippte
Unternehmensführer erklären, die politische Linie verändere sich schneller als in den vergangenen Jahren und schaffe so Zeit für Entscheidungen. Siemens-Chef Roland Busch spricht von einer neuen Form der Zusammenarbeit mit der Politik, während Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die Initiative als Signal dafür bezeichnet, dass sich Deutschland wieder für langfristiges Kapital lohne. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnet die gemeinsamen Zusagen als eine der größten Investitionsoffensiven seit Jahrzehnten und bekräftigt die Botschaft: „Deutschland ist zurück.“ Die Bilanz ist positiv, doch Politiker und Ökonomen betonen, der entscheidende Test seien die Quartalsdaten und das Tempo, mit dem administrative Hürden abgebaut werden.
Druck, den Made for Germany überwinden muss
Die Schocks der letzten Jahre prägen noch immer die Überlegungen der Vorstandsetagen. Die Pandemie brach Lieferketten, der Krieg in der Ukraine trieb die Energiekosten in die Höhe, die Inflation drückte die Margen, und das schwächere Wachstum in China führte zu Auftragsrückgängen in wichtigen Exportmärkten. Die inländischen Indikatoren bleiben schwach, und die Zollpolitik Washingtons sorgt für neue Unsicherheit in einer handelsabhängigen Wirtschaft. Die OECD nennt Sozialausgaben und Unterinvestitionen als strukturelle Hürden. Damit „Made for Germany“ zu einer nachhaltigen Erholung führt, benötigen Unternehmen Verlässlichkeit in den Bereichen Energie, Steuern und Regulierung sowie klarere Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Sozialsysteme belasten die Kosten und das Vertrauen
Deutschland investiert rund 42 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in Sozialausgaben. Die Rentenkassen sind der wichtigste Treiber angesichts der alternden Bevölkerung und des Renteneintritts der Babyboomer-Generation. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stiegen Anfang dieses Jahres, und die Beiträge zur Pflege werden voraussichtlich 2026 steigen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich diese Abgaben, was die Arbeitskosten erhöht. Die OECD bezeichnet die Reform der Sozialversicherung als größte Herausforderung für den Standort. Die Regierung kündigte als nächstes großes Paket die Sozialstaatsreform an, deren erste Ergebnisse in den kommenden Monaten erwartet werden. Wirtschaftsverbände halten diesen Weg für entscheidend für die Glaubwürdigkeit von „Made for Germany“.
Lücke bei der Unternehmensnachfolge gefährdet Kapazitäten
Ein neuer DIHK-Bericht warnt, dass in Deutschland die Unternehmer für die Übernahme bestehender Firmen knapp werden. Basierend auf mehr als 50,000 Beratungen bei Industrie- und Handelskammern hat sich die Kluft zwischen nachfolgesuchenden Inhabern und potenziellen Käufern seit 2019 fast verdoppelt. Bundesweit stehen rund 9,600 Unternehmen auf Nachfolgesuche nur etwa 4,000 Interessenten gegenüber. Mehr als ein Viertel der Inhaber erwägt bereits eine Schließung. Hochgerechnet könnten in den nächsten zehn Jahren bis zu 250,000 Unternehmen gefährdet sein, wenn keine Nachfolger gefunden werden. Dies würde Wertschöpfungsketten treffen, den Leerstand in Einkaufsstraßen erhöhen und ländliche Gemeinden schwächen, in denen ein einzelnes Gasthaus oder eine Werkstatt oft als sozialer Treffpunkt dient.
Branchen mit dem größten Nachwuchsmangel
Im Gastgewerbe und im Einzelhandel ist das Missverhältnis am größten: Hier gibt es mehr als dreimal so viele Angebote wie Bewerber. Im Transportwesen steigt das Verhältnis auf rund vier zu eins. Selbst im Dienstleistungs- und IT-Bereich übersteigt das Angebot das Interesse um etwa zwei zu eins. Der DIHK führt die wachsende Kluft auf die demografische Entwicklung, aber auch auf eine anhaltende Rezessionsphase, höhere Preise für Energie, Arbeitskräfte und Rohstoffe sowie die Unsicherheit über die Zukunftsaussichten zurück. Ein angespannter Arbeitsmarkt ermöglicht es fähigen Bewerbern, attraktive Festanstellungen auszuhandeln, ohne unternehmerische Risiken einzugehen. Dieser strukturelle Stress steht im Hintergrund von „Made for Germany“ und verdeutlicht, warum Investitionspläne mit Maßnahmen einhergehen müssen, die Tausende lebensfähiger kleiner und mittlerer Unternehmen am Leben erhalten.
Was die Kammern zur Stabilisierung der Nachfolge vorschlagen
Die Kammern fordern einfachere, schnellere und vorhersehbarere Verfahren. Zu ihren Vorschlägen gehören eine einheitliche staatliche Anlaufstelle für die Anmeldung von Unternehmensübertragungen, praktische Regeln für die Nutzung bestehender Kunden- und Lieferantendaten nach der Übergabe sowie vereinfachte Genehmigungsverfahren für Gebäudeänderungen. Sie plädieren außerdem für einen zeitlich begrenzten allgemeinen Schutz für neu erworbene Unternehmen, vergleichbar mit der Idee von Gründerschutzzonen, damit sich neue Eigentümer auf die Stabilisierung und Neuausrichtung des Betriebs konzentrieren können, bevor sie sich mit einer Flut neuer Genehmigungen befassen müssen. Solche Maßnahmen würden „Made for Germany“ ergänzen, indem sie sicherstellen, dass Investitionen großer Konzerne auch auf die Lieferanten durchschlagen, anstatt durch administrative Hürden blockiert zu werden.
Signale aus der Industrie zum Ausgangspunkt
Die Chemie- und Pharmabranche, oft als Konjunkturseismograph betrachtet, meldet angespannte Bedingungen und warnt vor Standortverlagerungen und Insolvenzen, sollten Kosten und Bürokratie hoch bleiben. Führungskräfte betonen, dass „Made for Germany“ nur dann an Fahrt gewinnen werde, wenn Reformen die Belastung von Arbeit und Kapital reduzieren. Sie betonen, dass der sieben- bis achtprozentige Rückgang der Unternehmensinvestitionen im Vergleich zu 2019 ausgeglichen und überwunden und nicht nur durch einmalige Projekte vorübergehend verringert werden müsse.
Risiken, die die Investitionsoffensive gefährden könnten
Die Handelsspannungen mit den USA sind ein zentrales Anliegen. Wirtschaftsführer warnen, dass wiederholte Zolldrohungen die Wahrscheinlichkeit eines globalen Abschwungs erhöhen und die Planung für exportstarke Branchen erschweren. Im Inland besteht die Gefahr eines kurzzeitigen Auftragsanstiegs, gefolgt von Enttäuschung, falls die Strukturreformen ins Stocken geraten. Analysten werden daher drei Indikatoren im Auge behalten: ob die Bruttoanlageinvestitionen deutlich über den Basiswert von 2019 steigen; ob Stimmungsindikatoren wie das ifo-Geschäftsklima mit Produktion und Aufträgen konvergieren; und ob die Genehmigungsdauer für Energie-, Transport- und Industrieprojekte messbar sinkt. Die Glaubwürdigkeit von „Made for Germany“ hängt von diesen Ergebnissen ab.
Wie sich ein Erfolg auf Arbeitnehmer und Regionen auswirken würde
Sollte die Initiative Erfolg haben, wären neue Einstellungsrunden, eine stärkere Ausbildungsaufnahme und ein spürbarer Zuwachs an Lieferantenverträgen in allen Regionen die deutlichsten Signale. Städte, die mit Schließungen und Leerständen zu kämpfen hatten, würden davon profitieren, wenn Nachfolger lokale Unternehmen übernehmen, anstatt sie zu schließen. Eine zunehmende Zahl von Netzausbauten, Bahnbauarbeiten und Forschungsprojekten deutet darauf hin, dass sich der öffentliche Fonds und „Made for Germany“ gegenseitig verstärken. Für Expats und internationale Investoren würde die Kombination aus umfangreichen Unternehmenszusagen, einem fokussierten Reformplan und vereinfachten Verfahren die Markteintrittsbarrieren senken und die Sichtbarkeit von Chancen in den Bereichen Fertigung, Energie, Software und Verteidigungstechnologien erhöhen.
