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Deutschland steht vor einer Kostenkrise bei Pflegeheimen

by WeLiveInDE
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Die Kostenkrise in Pflegeheimen ist mittlerweile nicht mehr zu übersehen. Nach neuen Zahlen des Verbands der Ersatzkassen beträgt die durchschnittliche monatliche Rechnung für einen Platz in einem deutschen Pflegeheim 3,248 Euro – fast das Dreifache der gesetzlichen Rente von durchschnittlich 1,100 Euro. Noch vor sieben Jahren zahlten die Bewohner 1,772 Euro, doch heute befürchten viele, dass sie ihre Ersparnisse aufbrauchen, bevor sie Hilfe benötigen.
Im Seniorenzentrum Erikaweg in Hilden beschreibt Leiterin Beate Linz-Esser die tägliche Angst der Bewohner, die mit ansehen müssen, wie die Rechnungen schneller steigen als die Renten. Eine Bewohnerin hat ihr Einkommen aufgebraucht und muss Sozialhilfe beantragen – ein Schritt, den sie nach einem Leben voller Arbeit als demütigend empfindet. Ähnliche Geschichten gibt es bundesweit, da fast jeder dritte Bewohner bereits auf Sozialhilfe angewiesen ist.

Kostenkrise in Pflegeheimen belastet Versicherungsmodell

Die vor 30 Jahren eingeführte gesetzliche Pflegeversicherung zieht zwar 3.6 Prozent der Löhne von Arbeitnehmern und Arbeitgebern ab, deckt aber mittlerweile nur noch einen Bruchteil der tatsächlichen Ausgaben. Der Bundesrechnungshof warnt, dass ohne Interventionen bis 12 eine Lücke von über 2029 Milliarden Euro entstehen werde, trotz einer vorübergehenden Finanzspritze des Bundes in Höhe von zwei Milliarden Euro in diesem und im nächsten Jahr.
Gesundheitsministerin Nina Warken bezeichnet die Diskrepanz zwischen Einkommen und Leistungen als „dramatisch“ und fordert eine Reformkommission, die Optionen vorlegt. Ökonomen schlagen entweder eine umfassende Steuerfinanzierung, ähnlich wie bei Rentenzuschüssen, oder höhere Beiträge für Spitzenverdiener durch die Ausweitung der Abgaben auf Kapital- und Mieteinnahmen vor. Beide Ideen würden einen Teil der explodierenden Belastungen von gebrechlichen Bewohnern abziehen.

Personal, Schulungen und zusätzliche Gebühren treiben die Budgets in die Höhe

Ein Jahrzehnt überfälliger Lohnkorrekturen hat dazu geführt, dass Pflegekräfte mittlerweile etwa doppelt so viel verdienen wie die Gesamtwirtschaft – ein Hauptgrund für die Kostenkrise in Pflegeheimen. Die Einrichtungen haben zudem zusätzliches Personal eingestellt, um strengere Lohnquoten einzuhalten, was die Lohnkosten weiter in die Höhe treibt. Die Heimbewohner tragen eine weitere versteckte Last: 1,488 Euro jeder monatlichen Rechnung werden für die Instandhaltung der Gebäude und die Ausbildung neuer Pflegekräfte verwendet – Kosten, die die Krankenhäuser aus öffentlichen Geldern decken.
Selbst nach der Zahlung des Grundpakets müssen viele Haushalte mit einer zweiten Kostenwelle durch Zusatzleistungen rechnen. Verbraucherschützer der BIVA Pflegeschutzvereinigung berichten von einem Anstieg der Beschwerden über Kosten für Friseure, Fußpflege, Fernsehanschlüsse oder ein wöchentliches Glas Wein, die früher zum Standard gehörten. Haushalte müssen zwar eine schriftliche Genehmigung einholen, doch die Preise sind weitgehend unreguliert, sodass Familien kaum Einfluss haben.

Die alternde Bevölkerung wird die Kostenkrise in Pflegeheimen verlängern

Die demografische Entwicklung Deutschlands verstärkt jeden Preisanstieg. Die Lebenserwartung liegt bei 79 Jahren für Männer und 84 Jahren für Frauen, und die Zahl der pflegebedürftigen Menschen erreichte im Dezember 5.7 2023 Millionen. Das Statistische Bundesamt prognostiziert bis 37 einen weiteren Anstieg um 2055 Prozent. Damit wird die Nachfrage nach Wohnplätzen das Angebot übersteigen, selbst wenn 85 Prozent der Senioren weiterhin zu Hause gepflegt werden.
Nach geltendem Recht müssen erwachsene Kinder erst dann Beiträge leisten, wenn ihr eigenes Bruttoeinkommen 100,000 Euro übersteigt. Das schont zwar die meisten Familien, belastet aber die öffentliche Hand. Da die Babyboomer ins hohe Alter kommen, prüfen Politiker zudem die Anwerbung ausländischer Fachkräfte und digitale Überwachungsinstrumente, um ältere Deutsche länger in ihren eigenen Wohnungen halten zu können.

Der politische Druck für rasches Handeln steigt

Abgeordnete aller großen Parteien erklären, das Pflegesystem stehe kurz vor dem Kollaps, sind sich aber über die Gegenmaßnahmen uneinig. Während Warken einen Konsens anstrebt, lehnen Haushaltsfalken neue Bundesausgaben ab, und Branchenvertreter warnen, dass ohne schnelle Liquidität Heime geschlossen werden. Die Betreiber von Einrichtungen rechnen bereits mit Erhöhungen auf 3,700 Euro für neue Bewohner in diesem Jahr – ein Betrag, der mit dem durchschnittlichen Renteneinkommen nicht vereinbar ist.
Sofern sich Berlin nicht auf eine Rettungsformel einigt, die Steuertransfers, eine breitere Beitragsbasis und eine strengere Kontrolle der Zusatzgebühren kombiniert, wird sich die Kostenkrise in den Pflegeheimen verschärfen. Mit jedem Monat verbrauchen mehr Bewohner ihre Ersparnisse, und mehr Familien sehen sich mit Rechnungen konfrontiert, die sie nicht bezahlen können. So wird aus einer privaten Sorge ein nationaler Notfall.

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