Deutschland führt ein neues Sparprogramm für Kinder ein, und ausländische Eltern, die im Land leben, sollten wissen, wie es funktioniert. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat den Gesetzentwurf zur sogenannten Frühstartrente zur ressortübergreifenden Abstimmung weitergeleitet, wie die dpa am 22. Juli 2026 auf Basis eines Entwurfs vom 21. Juli berichtete. Die Frühstartrente sieht vor, dass der Staat monatlich 10 Euro in einen individuellen, kapitalgedeckten Altersvorsorgefonds für jedes Kind in Deutschland zwischen 6 und 18 Jahren einzahlt.
Die Idee ist, Kindern eine lange Zeit zu geben, in der ihr Geld wachsen kann, bevor sie das Erwerbsalter erreichen. Die 10 Euro monatlich sind öffentliche Gelder, die in ein privates Anlagekonto fließen. Da die Auszahlung erst ab dem 65. Lebensjahr erfolgen kann, sollen die kleinen Einzahlungen durch jahrzehntelange Zinseszinsen zu einer ansehnlichen Summe anwachsen. Das Programm ist ein Koalitionsprojekt von SPD und Union und befindet sich derzeit in der Phase, in der andere Ministerien den Text prüfen, bevor er dem Kabinett und anschließend dem Parlament vorgelegt wird.
Wie die Frühstartrente funktionieren würde
Dem Entwurf zufolge fließt der staatliche Beitrag von 10 Euro monatlich in ein individuelles Depot für jedes anspruchsberechtigte Kind. Die Eltern wählen den Anbieter – entweder ein privates Anlageprodukt oder eine öffentliche Kapitalanlageoption – sodass das Geld angelegt und nicht einfach auf einem Sparbuch geparkt wird. Alle im Depot erzielten Erträge bleiben bis zur endgültigen Auszahlung steuerfrei. Die Auszahlung kann erst ab dem 65. Lebensjahr erfolgen.
Familien dürfen das Konto selbst aufstocken. Laut Entwurf sind zusätzlich zu den 10 Euro staatlicher Einzahlungen private Beiträge von bis zu 6,840 Euro jährlich bzw. 570 Euro monatlich zulässig. Der Tagesspiegel führte Beispielrechnungen an, die von einem jährlichen Wachstum von 7 Prozent ausgehen: Ohne elterliche Einzahlungen könnte das Guthaben bis zum 65. Lebensjahr rund 53,000 Euro erreichen, mit zusätzlichen 10 Euro monatlich auf etwa 107,000 Euro und mit 50 Euro monatlich auf rund 320,000 Euro. Diese Zahlen dienen lediglich der Veranschaulichung und stellen keine Garantie dar; die tatsächliche Rendite ist marktabhängig.
Wann die Frühstartrente beginnt und wer abgedeckt ist
Das Programm ist so konzipiert, dass es jahrgangsweise und nicht auf einmal eingeführt wird. Es beginnt mit den im Jahr 2020 Geborenen und gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2026, sodass dieser Jahrgang als erster staatliche Mittel erhält. Anschließend kommt jedes Jahr eine neue Gruppe von Sechsjährigen hinzu, wodurch die Förderung schrittweise auf alle Kinder der Zielaltersgruppe ausgeweitet wird. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich; berechtigte Kinder werden automatisch angemeldet.
Ältere Kinder, die bereits aus dem ersten Jahrgang herausgewachsen sind, erhalten die staatlichen 10 Euro nicht rückwirkend. Familien können jedoch weiterhin private Depots ohne diese Subvention eröffnen. Der Entwurf für den Bundeshaushalt sieht Kosten von rund 198 Millionen Euro jährlich zu Beginn vor, die bis 2030 auf etwa 411 Millionen Euro steigen sollen, da weitere Jahrgänge hinzukommen. Ziel der Koalition ist es, Haushalte mit niedrigem Einkommen beim Aufbau einer privaten Altersvorsorge zu unterstützen, mit der sie sonst möglicherweise nicht beginnen würden.

Kritik von gesellschaftlichen Gruppen
Nicht alle begrüßen den Plan. Der Sozialverband Deutschland (SoVD), einer der größten Wohlfahrtsverbände Deutschlands, kritisiert die Frühstartrente als risikoreich und als vorteilhaft für die Versicherungs- und Finanzbranche gegenüber Familien. Hauptkritikpunkt ist, dass die Verknüpfung der zukünftigen Sicherheit von Kindern mit den Kapitalmärkten sie einem Anlagerisiko aussetzt und dass das Geld besser in die Stärkung der gesetzlichen Rente investiert werden sollte, auf die die meisten Menschen in Deutschland angewiesen sind.
Befürworter argumentieren, dass das Programm Kinder frühzeitig an kapitalgedeckte, langfristige Geldanlagen heranführt und der sehr lange Anlagehorizont kurzfristige Marktschwankungen ausgleicht. Die Debatte spiegelt eine breitere Auseinandersetzung in Deutschland darüber wider, wie viel der Altersvorsorge aus dem umlagefinanzierten öffentlichen System und wie viel aus privaten, kapitalbasierten Produkten stammen sollte. Da sich das Gesetz noch in der ministeriellen Abstimmungsphase befindet, können sich die Details bis zu seiner Verabschiedung noch ändern.
Was ausländische Eltern in Deutschland wissen sollten
Für im Ausland lebende Familien ist entscheidend, dass die Anspruchsberechtigung voraussichtlich dem Kind und nicht der Nationalität der Eltern folgt. Kinder, die in Deutschland leben und den entsprechenden Geburtsjahrgängen angehören, sollten daher wie alle anderen abgesichert sein. Sollte das Gesetz in der vorliegenden Form verabschiedet werden, ist kein Formular für den staatlichen Zuschuss auszufüllen. Sie können jedoch den Anbieter für die Altersvorsorge frei wählen, weshalb ein Vergleich der Anbieter und Gebühren sinnvoll ist. Da die Auszahlung bis zum 65. Lebensjahr gesperrt ist, handelt es sich hierbei ausschließlich um langfristige Altersvorsorge und nicht um eine Notfallreserve.
Die Frühstartrente ergänzt die Leistungen, die Familien in Deutschland bereits in Anspruch nehmen können. Daher ist es hilfreich, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Unser Leitfaden dazu Kinder- und Familienleistungen behandelt die heute verfügbare Unterstützung für Kinder, während unser Überblick über Altersvorsorgepläne und Ruhestand Erklärt, wie öffentliche und private Leistungen zusammenwirken. Behalten Sie den Gesetzgebungsprozess im Auge, denn die Bestimmungen, die schließlich das Parlament erreichen, gelten für Ihre Kinder.
