Die Europäische Union hat Google wegen Verstößen gegen die Wettbewerbsregeln im digitalen Bereich mit einer Geldbuße von 890 Millionen Euro belegt. Es handelt sich um die bisher höchste Strafe nach dem EU-Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA). Die Europäische Kommission verkündete am 22. und 23. Juli 2026 zwei separate Beschlüsse, die sich gegen Googles Vorgehensweise bei der Bewerbung eigener Dienste in den Suchergebnissen und gegen die Einschränkungen für App-Entwickler im Google Play Store richten. Google hat 60 Tage Zeit, seine Praktiken zu ändern.
Warum die EU Google gemäß dem DMA mit einer Geldstrafe belegt
Der Digital Markets Act (DMA) ist ein europäisches Gesetz, das Regeln für die größten Online-Plattformen, sogenannte „Gatekeeper“, festlegt, um offene und faire digitale Märkte zu gewährleisten. Google wurde nun erstmals nach diesem Gesetz bestraft, und die Gesamtstrafe von 890 Millionen Euro ist die höchste, die jemals gegen ein Unternehmen nach dem DMA verhängt wurde. Die Kommission teilte die Strafe in zwei Teile auf, die zwei unterschiedliche Probleme angehen.
Die erste Entscheidung mit einem Volumen von 460 Millionen Euro betrifft die Bevorzugung eigener Dienste in der Google-Suche. Die Kommission stellte fest, dass Google seinen spezialisierten Diensten, wie etwa Shopping-, Hotel-, Transport- und Sportergebnissen, eine prominentere Platzierung einräumte als den Angeboten der Konkurrenz. Googles eigene Ergebnisse erschienen ganz oben auf der Seite oder mit verbesserter Darstellung und Filtern, während vergleichbare Wettbewerber weiter unten angezeigt wurden und weniger Sichtbarkeit erhielten. Die zweite Entscheidung mit einem Volumen von 430 Millionen Euro betrifft Google Play und wird im Folgenden erläutert. Zusammen stellen die beiden Urteile eine deutliche Verschärfung der europäischen Bemühungen zur Eindämmung der marktbeherrschenden Plattformen dar und folgen früheren, geringeren Strafen der DMA gegen andere Technologieunternehmen.
Die Google Play-Steuerungsbeschränkung
Die zweite Geldbuße betrifft das, was die Regulierungsbehörden als „Anti-Steering“ bezeichnen. Laut DMA (Digital Markets Act) müssen App-Entwickler ihre Kunden frei über günstigere Zahlungsmethoden außerhalb des App Stores informieren dürfen. Die Kommission stellte fest, dass Google Entwickler im Google Play Store unzulässigerweise daran gehindert hat, Nutzer zu alternativen und oft günstigeren Kaufkanälen zu lenken. Zwar darf Google für den ersten vermittelten Kunden eine Gebühr erheben, doch die Regulierungsbehörde urteilte, dass die Höhe und die Dauer der Gebühren für das „Steering“ die gesetzlichen Vorgaben überschritten.
Die praktische Folge ist, dass es für App-Entwickler schwieriger geworden ist, Nutzer auf günstigere Angebote auf ihren eigenen Webseiten hinzuweisen, und Verbraucher weniger Möglichkeiten haben, die in In-App-Käufen enthaltenen Gebühren zu umgehen. Die Kommission betont, dass der App-Store zwar im Wettbewerb um Qualität bestehen kann, Entwickler und Nutzer aber nicht an sein eigenes Zahlungssystem binden darf, indem er externe Optionen unsichtbar macht.
Was Google jetzt tun muss
Die Kommission hat Google angewiesen, beide Praktiken innerhalb von 60 Tagen einzustellen. Bei Nichteinhaltung drohen dem Unternehmen regelmäßige Strafzahlungen von bis zu 5 Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes von Alphabet – ein Betrag, der die ursprüngliche Geldbuße schnell übersteigen könnte. Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission für Wettbewerb, erklärte, die EU sei „an das Gesetz gebunden“ und Produkte „sollten erfolgreich sein, weil sie besser sind, nicht weil sie dem Unternehmen gehören, das die Suchmaschine betreibt.“

Henna Virkkunen, die für Technologiesouveränität zuständige Kommissarin, bezeichnete die Entscheidungen als unerlässlich für einen fairen Wettbewerb auf digitalen Märkten. Google wird die Ergebnisse voraussichtlich anfechten und argumentiert seit Langem, dass sein Suchdesign den Nutzern hilft und seine Nutzungsbedingungen ein sicheres App-Ökosystem gewährleisten. Der Streit hat auch eine politische Brisanz, da er in eine Zeit von Handelsspannungen zwischen Brüssel und Washington über die Regulierung großer amerikanischer Technologiekonzerne fällt.
Was es bedeutet, wenn die EU Google mit einer Geldstrafe belegt
Die Änderungen sollten sich in den Tools bemerkbar machen, die die Menschen in Deutschland täglich nutzen. Passt Google sein Suchlayout entsprechend an, könnten die Ergebnisse für Shopping, Hotels, Flüge und lokale Dienstleistungen eine größere Auswahl an Anbietern anzeigen, anstatt mit Googles eigenen Anzeigen an erster Stelle zu stehen. Das erleichtert den Preisvergleich und die Suche nach unabhängigen Buchungs- oder Vergleichsseiten bei der Reise- oder Kaufplanung. Da Google Search und Google Play für die meisten Android-Nutzer in Deutschland der Standardzugang zum Internet und zu Apps sind, erreichen selbst kleine Designänderungen ein sehr großes Publikum.
Im App-Bereich könnte das Urteil die Kosten für digitale Abonnements und In-App-Inhalte schrittweise senken. Wenn Entwickler Android-Nutzer offen auf günstigere Zahlungsoptionen auf ihren eigenen Websites hinweisen können, könnten einige der in den Google Play-Preisen enthaltenen Gebühren sinken. Diese Rechte ergänzen die in Deutschland geltenden strengen Käuferschutzbestimmungen, die in unserem Leitfaden erläutert werden. Verbraucherschutzgesetze in Deutschland Dies wird im Detail erläutert. Die vollständigen Auswirkungen hängen davon ab, wie Google seine Systeme in den kommenden zwei Monaten umgestaltet und ob die Kommission diese Änderungen als ausreichend beurteilt.
