Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stattete am Freitag Berlin einen kurzen, aber wichtigen Besuch ab und setzte damit seine diplomatische Europareise zur Unterstützung der Ukraine fort. Nach der Landung am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gegen Mittag war Selenskyjs Agenda vollgepackt mit hochrangigen Treffen, angefangen mit Bundeskanzler Olaf Scholz im Kanzleramt und später mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue. Im Mittelpunkt der Treffen stand die weitere militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen die russische Invasion.
In der deutschen Hauptstadt wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. In großen Teilen der Stadt wurden Straßen gesperrt, Sperrgebiete eingerichtet und es herrschte eine starke Polizeipräsenz. Der Besuch war zwar kurz, hatte jedoch erhebliche Auswirkungen auf den anhaltenden Kampf der Ukraine. Die Gespräche waren von einem Gefühl der Dringlichkeit angesichts der bevorstehenden US-Wahlen und ihrer möglichen Auswirkungen auf die internationalen Allianzen der Ukraine geprägt.
Militärisches Hilfspaket angekündigt
Bei dem Treffen mit Bundeskanzler Scholz sicherte Selenskyj ein weiteres umfangreiches Militärhilfepaket aus Deutschland zu. Scholz versprach der Ukraine zusätzliche Militärhilfe in Höhe von 1.4 Milliarden Euro, darunter moderne Luftabwehrsysteme, Drohnen, Panzer und Artillerie. Dies ist Teil einer umfassenderen Zusage europäischer Verbündeter, der Ukraine dabei zu helfen, ihre Städte und Infrastruktur vor anhaltenden russischen Angriffen zu schützen.
Dieses jüngste Hilfspaket folgt auf eine kürzlich erfolgte Hilfslieferung im Wert von 600 Millionen Euro, die unter anderem Gepard-Flugabwehrkanonen und IRIS-T-Raketensysteme umfasste. Scholz betonte die unerschütterliche Unterstützung Deutschlands für die Ukraine und erklärte: „Wir werden unsere Hilfe fortsetzen, um Russland klarzumachen, dass Zeitschinden nicht funktioniert.“ Er versicherte, dass Deutschland keinen von Moskau diktierten Frieden akzeptieren werde und betonte die Bedeutung einer Lösung, die auf dem Völkerrecht basiert.
Sicherheitssperre in Berlin und Reiseunterbrechungen
Als Selenskyjs Autokolonne durch Berlin fuhr, kam es in der Stadt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Behörden hatten sich bereits mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen auf den Besuch vorbereitet, darunter dem Einsatz von Scharfschützen, Sprengstoffspürhunden und der Überwachung des Luftraums und der Wasserstraßen der Stadt. Auch der öffentliche Nahverkehr war beeinträchtigt. Auf mehreren S-Bahn- und Buslinien kam es zu erheblichen Verspätungen, insbesondere auf denen in der Nähe von Regierungsgebäuden wie dem Kanzleramt und Schloss Bellevue.
Diese Störungen waren Teil der erhöhten Sicherheitsmaßnahmen der Stadt, da Selenskyjs Besuch unter die „Sicherheitsstufe 0“ fiel, ein Protokoll, das für hochgefährdete Würdenträger gilt. Den Berlinern wurde geraten, bestimmte Gebiete zu meiden, da in der gesamten Innenstadt vorübergehend Straßensperren und Sicherheitskontrollen eingerichtet wurden.
Diplomatische Gespräche im Schloss Bellevue
Nach seinem Treffen mit Scholz besuchte Selenskyj Präsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue. Steinmeiers Rolle ist zwar eher zeremonieller Natur, doch aufgrund seiner langjährigen Karriere in der deutschen Politik, darunter seiner Zeit als Außenminister in kritischen Momenten des Ukraine-Russland-Konflikts, waren die Gespräche höchst relevant.
Steinmeier war zu Beginn des Krieges aufgrund seiner Rolle bei der Förderung der Nordstream-2-Pipeline eine umstrittene Figur. Diese wurde dafür kritisiert, dass sie Europas Energieabhängigkeit von Russland vergrößere. Beide Staatschefs nutzten das Treffen jedoch, um ihr Bekenntnis zur ukrainischen Souveränität und die Notwendigkeit von Friedensgesprächen unter Achtung des Völkerrechts zu bekräftigen. Selenskyj dankte Steinmeier für die anhaltende Unterstützung Deutschlands und unterstrich die Notwendigkeit anhaltender militärischer und finanzieller Hilfe bis 2025.
Der Weg zu einer Friedenskonferenz
Sowohl Selenskyj als auch Scholz betonten, wie wichtig es sei, in naher Zukunft eine weitere Friedenskonferenz zu organisieren, diesmal mit dem Ziel, Russland in die Verhandlungen einzubeziehen. Scholz bekräftigte, dass jede Lösung mit dem Völkerrecht im Einklang stehen müsse und dass Deutschland die territoriale Integrität der Ukraine weiterhin fest unterstützen werde.
Selenskyj setzte sich unterdessen weiterhin für seinen sogenannten „Siegesplan“ ein, der vorsieht, dass die Ukraine ihre besetzten Gebiete zurückerobert und gleichzeitig nach diplomatischen Wegen sucht, um den Krieg zu beenden. Sein Besuch in Berlin erfolgte nach ähnlichen Gesprächen in London, Paris und Rom. Er möchte die Unterstützung Europas festigen, da sich die geopolitische Dynamik möglicherweise ändern wird, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden US-Wahlen.
Verzögerungen beim US-geführten Ramstein-Treffen
Bei Selenskyjs Deutschlandbesuch hätte ursprünglich auch ein hochrangiges Treffen mit US-Präsident Joe Biden auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein stattfinden sollen. Biden verschob seinen Besuch jedoch aufgrund der verheerenden Auswirkungen des Hurrikans Milton im Südosten der USA. Diese Verzögerung hat die Aufmerksamkeit nun auf Europa gelenkt, wo die Staats- und Regierungschefs weiterhin die Kriegsanstrengungen der Ukraine unterstützen.
Trotz Bidens Abwesenheit trug Selenskyjs Treffen mit Scholz und Steinmeier dazu bei, Deutschlands Führungsrolle in der westlichen Allianz zur Unterstützung der Ukraine zu stärken. Selenskyj bedankte sich bei Deutschland für die umfangreiche Militärhilfe und erklärte, deutsche Luftabwehrsysteme hätten in der Ukraine bereits Tausende von Menschenleben gerettet. Er betonte, dass die Ukraine auch weiterhin auf diese Unterstützung angewiesen sein werde, wenn sich der Konflikt bis ins Jahr 2025 hinzieht.
Eine Europatour zur Sicherung der Zukunft der Ukraine
Selenskyjs Berlin-Besuch war Teil einer breit angelegten diplomatischen Kampagne in ganz Europa. In den letzten Tagen war er bereits in London, wo er den britischen Premierminister Keir Starmer und NATO-Generalsekretär Mark Rutte traf. Selenskyj nutzt diese Reise, um die Allianzen mit der Ukraine zu stärken und anhaltende Unterstützung für seinen „Siegesplan“ zu sichern.
Obwohl sein geplantes Treffen mit Biden verschoben wurde, bleibt die Unterstützung der europäischen Mächte von entscheidender Bedeutung, da sich die Ukraine auf weitere Konfrontationen auf dem Schlachtfeld und in der geopolitischen Arena vorbereitet. Da der Krieg keine Anzeichen einer Abschwächung zeigt, drängen die ukrainischen Führer darauf, dass die internationale Unterstützung ohne Unterbrechung fortgesetzt wird, insbesondere angesichts entscheidender globaler Ereignisse am Horizont.
Mit der anhaltenden Unterstützung Deutschlands und anderer europäischer Länder möchte Selenskyj den Druck auf Russland aufrechterhalten und die Verteidigung der Ukraine gegen eine Aggression aufrechterhalten. Gleichzeitig sucht er nach möglichen diplomatischen Lösungen, die im Einklang mit dem Völkerrecht zu einem dauerhaften Frieden führen können.
