Die deutsche Gasspeicherabgabe entfällt zum 1. Januar 2026, nachdem das Bundeskabinett einer Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes zugestimmt hat. Der von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche angekündigte Schritt erfüllt ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag und bildet das Herzstück eines umfassenderen Energiepreisentlastungspakets. Durch die Übertragung der Kosten für die Befüllung strategischer Gaskavernen von den Verbrauchern auf den Bundeshaushalt will Berlin Haushalten und Unternehmen angesichts der drohenden Heizkosten im Winter eine sofortige Atempause verschaffen.
Die Minister begründeten die Abschaffung der deutschen Gasspeicherabgabe mit der verbesserten Versorgungssicherheit. Seit dem Krisenjahr 2022, als die Abgabe zur Finanzierung von Gasnotkäufen eingeführt wurde, haben sich die Importrouten diversifiziert, und die Speicherkapazitäten liegen nun konstant über 90 Prozent. Die Stabilität ermögliche es dem Staat, die verbleibende Finanzierung über ein Sonderkonto zu übernehmen, das bis Ende 2025 ausgeglichen sein soll, heißt es in offiziellen Berichten.
Einsparungen für Haushalte und Industrie durch die Abschaffung der Abgabe
Bei einer Umlage von derzeit 0.3 Cent pro Kilowattstunde – etwa 2.4 Prozent des Gaspreises – können vierköpfige Familien je nach Verbrauch mit jährlichen Einsparungen zwischen 30 und 60 Euro rechnen. Große Industriekunden, für die der Aufschlag etwa fünf Prozent der Gasrechnung ausmacht, profitieren ebenfalls. Ihr absoluter Gewinn hängt jedoch vom Prozesswärmebedarf und den Terminpreisen ab.
Das Wirtschaftsministerium rechnet damit, dass die Gesamtentlastung im Jahr 3.4 2026 Milliarden Euro erreichen wird. Im Vergleich zu den gesamten Energieausgaben Deutschlands ist diese Zahl zwar bescheiden, doch Analysten weisen darauf hin, dass die deutsche Gasspeicherabgabe bislang einer der wenigen Posten war, die jeder Kunde auf seinen monatlichen Rechnungen erkennen konnte. Ihre Abschaffung hat daher eine starke psychologische Wirkung – und das zu einer Zeit, in der die Energiekosten nach wie vor ein zentrales politisches Thema sind.
Finanzierungsstreit um den Klima- und Transformationsfonds
Berlin beabsichtigt, die Einnahmen aus der Abgabe durch Zuweisungen aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) zu ersetzen, einer Rücklage, die ursprünglich zur Finanzierung grüner Innovationen geschaffen wurde. Kritiker von Grünen und Stadtwerkeverbänden argumentieren, die Unterstützung fossiler Infrastruktur mit Klimageldern sende das falsche Signal für das Ziel der Klimaneutralität. Sie warnen, dass der Zugriff auf den KTF Investitionen in Netzausbau, Wasserstoffausbau und Gebäudeeffizienzprogramme verzögern könnte.
Die Regierung entgegnet, die deutsche Gasspeicherabgabe habe eine Funktion im öffentlichen Interesse erfüllt – sie beuge Engpässen vor – und die Nutzung des KTF sei daher vertretbar. Eine Klausel im Gesetzentwurf verpflichtet das Finanzministerium, das Konto bis 2028 wieder aufzufüllen, falls die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung die Prognosen übersteigen. Klima-NGOs bezweifeln jedoch den politischen Willen, dieses Versprechen einzuhalten.
Stromsteuer-Debatte deckt Koalitionskonflikte auf
Der Kabinettsbeschluss lässt einen Punkt auf der Hilfsagenda außen vor: die Senkung der allgemeinen Stromsteuer. Obwohl der Koalitionsvertrag eine Absenkung der Abgabe auf das EU-Minimum für alle Verbraucher vorsieht, sieht das Paket vom Mittwoch die Senkung ab 2026 nur für die Industrie und die Landwirtschaft vor. Regierungssprecher verweisen auf den knappen Haushaltsspielraum und die Notwendigkeit, exportorientierte Arbeitsplätze zu schützen.
Hinterbänkler aus CDU/CSU und SPD fordern dennoch eine allgemeine Senkung der Stromsteuer. Sie bestehen darauf, dass Haushalte, die auf Wärmepumpen und Elektroautos umsteigen, nicht bestraft werden sollten, während Gasverbraucher neue Subventionen erhalten. Energieverbände warnen, die derzeitige Asymmetrie drohe die Einführung sauberer Technologien zu verlangsamen und so die Klimaziele zu untergraben, die letztlich eine Elektrifizierung erfordern.
Marktauswirkungen und langfristige Energiestrategie
Ökonomen sind sich uneinig, wie stark die Abschaffung der deutschen Gasspeicherabgabe die Einzelhandelspreise beeinflussen wird. Die Versorger könnten die Einsparungen vollständig weitergeben, einige könnten sie aber auch absorbieren, um anderen Kostendruck, wie etwa höhere CO₂-Zertifikate, auszugleichen. Die Bundesnetzagentur wird die Tarife Anfang 2026 überwachen, um Transparenz zu gewährleisten.
Die Versorgungssicherheit hat nach wie vor oberste Priorität. Die Gesetzgebung verpflichtet den Netzbetreiber Trading Hub Europe, die Speicherkapazitäten hoch zu halten. Sollte es erneut zu außergewöhnlichen Marktspannungen kommen, kann das Finanzministerium per Dekret erneut einen Aufschlag einführen. Experten warnen jedoch, dass die Abhängigkeit von Gas mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und steigenden CO2-Preisen sinken wird. Sie argumentieren, dass die dauerhafte Haushaltsfinanzierung der Speicher mit einem klaren Ausstiegspfad aus dem Erdgas einhergehen sollte, damit die heutige Entlastung nicht die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verfestigt.
