Polizei untersucht Fälle koordinierter Bahnsabotage in Deutschland
Ein am Donnerstag von einem Lokführer nahe Düsseldorf entdeckter Kabelkanalbrand löste die größten Ermittlungen zu Bahnsabotage in Deutschland seit 2022 aus. Beamte des Staatsschutzes erklärten, der Brand, der Signal- und Kommunikationsleitungen auf der Strecke Düsseldorf–Duisburg zerstörte, sei vorsätzlich gelegt worden. Fünf einzelne Kabel mit einer Gesamtlänge von rund 100 Metern mussten über Nacht ausgetauscht werden. Die Ermittler sprechen eher von einem „gezielten Angriff“ auf die Infrastruktur als von einem Unfall.
Ermittler prüfen eine Erklärung auf der linksradikalen Plattform Indymedia, in der sich eine Gruppe namens „Kommando Angry Birds“ zu dem Vorfall bekannte. Innenminister warnen, die Echtheit des Textes sei noch nicht überprüft worden und schließen Nachahmer nicht aus. NRW-Innenminister Herbert Reul bezeichnete die Tat dennoch als „politisch motivierte Sabotage“ und kündigte verstärkte Streifen an kritischen Routen an.
Verkehrsstillstand trifft Zehntausende Passagiere
Auf der Strecke Düsseldorf–Duisburg verkehren täglich Hunderte von Fern- und Regionalzügen. Sie verbinden den Ballungsraum Rhein-Ruhr mit Berlin, Frankfurt, den Niederlanden sowie Nord- und Süddeutschland. Die Deutsche Bahn verlegte Hochgeschwindigkeitszüge, strich Halte an mehreren Zwischenbahnhöfen und setzte Buspendel zum Düsseldorfer Flughafen ein. Bis Freitagabend schätzte das Unternehmen, dass Sabotageakte im deutschen Schienenverkehr in der Hochsaison im Sommer Zehntausende Pendler und Urlauber am Reisen gehindert hätten.
Die Regionallinien S1, RE 1, RE 5, RE 6 und RE 19 wurden umgeleitet bzw. gekürzt; in Duisburg-Großenbaum waren die Gleise über 24 Stunden gesperrt. Güterzüge wurden auf eine parallel verlaufende Güterstrecke umgeleitet, nachdem in Wedau Notbauarbeiten zur Kapazitätsfreisetzung eingestellt worden waren.
Reparaturen stellen den NRW-Korridor wieder her, während neue Sabotageakte auftauchen
Nach 24-Stunden-Arbeiten schlossen die Ingenieure am Samstag kurz vor Sonnenaufgang die letzte Verbindung ab, und die Nord-Süd-Achse wurde wieder freigegeben. „Alles läuft wie geplant“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn, während Ersatzbusse eingesetzt wurden. Doch noch bevor der Betrieb in NRW wieder normalisiert wurde, wurde bei Webau in Sachsen-Anhalt ein neuer Kabelbrand auf einer Strecke festgestellt, die hauptsächlich für den Kohletransport genutzt wird. Erste Erkenntnisse deuten erneut auf Brandstiftung hin und lassen die Befürchtung neu aufleben, dass die Täter in rascher Folge mehrere Regionen heimsuchen.
Die Bundespolizei untersucht Rückstände von beiden Tatorten, um festzustellen, ob identische Brandbeschleuniger verwendet wurden. Bisher hat keine Gruppe ihre Beteiligung an dem Vorfall in Webau zugegeben, und die Behörden haben auch keine direkte Verbindung bestätigt. Sie weisen jedoch auf eine Ähnlichkeit in den Methoden hin: versteckte Zündquellen wurden in Kabelkanälen platziert, die für die Signalsteuerung wichtig sind.
Sicherheitspolitische und politische Folgen der Sabotage an der deutschen Eisenbahn
Der Anschlag vom Donnerstag offenbarte die Verwundbarkeit des deutschen Schienennetzes, gerade während das Netz seit langem modernisiert wird. Der Verkehrsausschuss des Bundestags trifft sich nächste Woche zu einer Sondersitzung, um Schutzmaßnahmen zu prüfen, darunter die Installation von Wärmesensoren in Kabelkanälen und eine Ausweitung der Videoüberwachung auf offenen Streckenabschnitten. Abgeordnete der Regierungskoalition argumentieren, sichere Mobilität sei eine Voraussetzung für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene im Rahmen der Klimaziele.
Nach einer jüngsten Häufung von Angriffen auf die Infrastruktur aktualisieren die Geheimdienste zudem ihre Bedrohungsanalysen zum Thema Linksextremismus. Zwar dominieren rechtsextreme Straftaten nach wie vor die Statistik, doch Behördenvertreter sagen, dass geschickte Brandstiftung an Signalleitungen den Handel wirksamer lahmlegen kann als Straßendemonstrationen, was die Aufmerksamkeit von Randaktivisten auf sich zieht. Die Deutsche Bahn forderte unterdessen Fahrgäste auf, in den kommenden Tagen regelmäßig die Fahrpläne zu prüfen, und warnte, dass es bei weiteren Sabotageakten zu weiteren Verspätungen kommen könne.
